Die einzig richtigen Massnahmen im Fall „Carlos“

Warum kuscheln und Justiz unbedingt zusammen gehören.

Katze

Seit ruchbar wurde, dass „Carlos“ für 29’000 Franken thaiboxt, streitet sich die Schweiz, wie mit ihm zu verfahren wäre. Nach reiflicher Prüfung erklärt Simone Liedtke, welche Therapie gar nicht geht, und warum ein Tram für „Carlos“ die einzig richtige Lösung sein könnte.

Der mehrfach verurteilte, jugendliche Straftäter – bekannt unter dem Pseudonym „Carlos“ – hat seine Strafe bereits abgesessen. Den rückfallgefährdeten Mann einfach ohne Therapie auf freien Fuss zu setzen, sah das Jugendstrafrecht jedoch nicht vor. So wurde er für viel Geld einzelbetreut und durfte jeden Tag ins Kickbox-Training. Dann hörten wir von der Sache in der Sendung „Reporter“ (SRF1, 25.8.2013, „Der Jugendanwalt“). Seither sitzt er zu seinem eigenen Schutz. Erst im Gefängnis Limmattal, von wo er drei Monate später in die geschlossene Abteilung des Massnahmezentrums Uitikon versetzt wurde, wo er die Möglichkeit erhält, eine Ausbildung zu machen. Die Kosten sollen sich halbiert haben. Gegen diese Versetzung protestierte „Carlos“ – zusammen mit seinen Eltern – mit einem Hungerstreik, den er allerdings nach drei Tagen beendete. Offenbar war ihm aufgegangen, dass ein Hungerstreik mit Hunger zu tun hat. Ist das Problem „Carlos“ damit gelöst? Oder ist die Hälfte von CHF 29’000 nicht immer noch zu viel für einen wie „Carlos“? Hier die Zusammenfassung unserer Fachexpertise.

Die falschen Massnahmen:

Verlies

Für viele ist klar: so einer gehört weggesperrt. Finde ich prinzipiell auch gut. Dass der dann aber in so einer Therapie-Einrichtung allen die Köpfe einschlägt, finde ich prinzipiell nicht gut. Also ganz weg mit dem. In ein tiefes, dunkles Loch, wo er nie raus darf und man ihm durch eine Luke Essen ins Loch wirft. Für immer. Ein solches Burgverlies habe ich mal gesehen – in der Kyburg war das. Dort hatte es auch eine Folterkammer. Aber so viel ich weiss, machen die jetzt dort auf Museum und gefoltert wurde auch schon lange nicht mehr.

Ausschaffung

Schaffen wir ihn halt aus! Eine Treibjagd wäre schön. Man könnte ihn von einer Horde aufgebrachter Hirschkühe bis über die Grenzen unseres Landes jagen und dann die Tore schliessen. Oder wir setzen ihn in ein Flugzeug nach Nimmerland. Oder nach Mittelerde, zu den Orks. Die fressen ihn gleich zum Apéro. Dann müssten wir nicht extra die Todesstrafe einführen, wie einige Stimmen für Kerle wie „Carlos“ fordern.

Arbeitslager

Wenn wir ihn schon behalten müssen, soll er wenigstens arbeiten für das viele Geld, das er kostet. Müssen wir schliesslich alle. Aber mal abgesehen davon, dass jeder Strafvollzug und jede Therapieeinrichtung extrem viel kostet und das bisschen Wäsche waschen und Möbel schreinern der Insassen etwa so viel Beitrag an die Kosten leistet, wie dieser Artikel an den Weltfrieden, wird sich wohl kaum ein Arbeitgeber finden lassen, der einen ungelernten, gewaltbereiten Straftäter beschäftigen möchte, für den Arbeitsmoral und -Ethik dieselbe Bedeutung haben wie Hungerstreik. Nämlich keine. Kommt mir nur noch Zwangsarbeit im Arbeitslager in den Sinn. Dafür müssten wir ihn allerdings nach China ausschaffen, dann könnte das funktionieren. Aber ob die Chinesen Bock auf unseren „Carlos“ haben?

Die richtigen Massnahmen:

Ich hätte da ein paar andere Methoden vorzuschlagen, die einfacher zu realisieren wären.

Das Hochsicherheits-Tram

Als Ergänzung zum Märlitram und zum Fonduetram, könnte man das Hochsicherheits-Tram lancieren. Ein altes Tram wird gepanzert und hochsicherheitstechnisch umgebaut. Damit fährt dann „Carlos“ zusammen mit ein paar anderen gaaanz bösen Jungs durch Zürich und immer, wenn sie sich an die Gurgel gehen wollen, macht der Tramchauffeur eine Vollbremsung, so dass alle durcheinanderpurzeln. Hat einen erzieherischen Effekt auf „Carlos“ und die bösen Buben und einen Unterhaltungswert für die ganze Bevölkerung. Das könnte sogar zur Touristenattraktion werden! Und kommt uns der Papst einmal besuchen, kann er sein Papamobil zu Hause lassen, denn wir haben ja das Hochsicherheitstram! Die Einsatzmöglichkeiten sind unzählig. Sogar in der Kleinkindererziehung könnte dieses Modell Verwendung finden: Anstatt den lieben Kinderchen mit den alten verstaubten Figuren wie dem Samichlaus oder dem Struwelpeter zu drohen, könnte man endlich mal etwas zeitgemässer mit „Carlos“ und dem Knastwägeli drohen. Als nächstes findet das Thema Eingang in die Kinder-Literatur und beschert uns am Ende sogar den Nobelpreis.

Die „Carlos“-Reality-Show

Ein weiterer erzieherischer Ansatz mit Unterhaltungswert ist die „Carlos“-Reality-Show. „Carlos“ muss wieder nach Hause zu Mutti und Vati. Die Eltern werden ihren Teil an dem ganzen Schlamassel beigetragen haben, sollen sie nun wieder etwas gut machen an der Gesellschaft und Verantwortung übernehmen. „Carlos“ wird mit den Eltern in deren Wohnung eingeschlossen. Überall sind Kameras installiert und nur ein ganz schmales Budget für Lebensmittel steht zur Verfügung. (Da macht dann ein 3-tägiger Hungerstreik auch wirklich Sinn.) Damit die ganze Show ein bisschen knistert, könnte man „Carlos“ auch gleich als den nächsten Bachelor vorstellen – an mangelnder Intelligenz scheint es ihm ja nicht zu fehlen und prominent ist er unterdessen auch. Da lässt sich sicher die eine oder andere Kandidatin finden, die ein paar Tage in der Wohnung verbringen möchte. Das wird ein Strassenfeger! Ein Bambi sollte drinliegen.

Die Grossraum-Anstalt

Geht man nun aber davon aus, dass nicht nur die Eltern, sondern auch die Nachbarschaft, die Schule, die ganze Gesellschaft verantwortlich sind für die Entwicklung eines Kindes, könnte man sich überlegen, ein ganzes Quartier zur Anstalt umzufunktionieren. Vielleicht die Langstrasse oder der Kreis 5. Oder gleich ganz Zürich West. Die Idee ist alt. Kann sich noch jemand an den Film „Die Klapperschlange“ aus dem Jahre 1981 mit Kurt Russel erinnern? Darin wurde ganz Manhatten in ein Hochsicherheitsgefängnis verwandelt. Wer mal drin war, kam nicht mehr raus. Ausser natürlich Kurt Russel. Vielleicht ein kleines bisschen radikal.

Die Kuschel-Therapie

Besinnen wir uns lieber auf die Adventszeit. Denken wir an die humanitäre Schweiz und an die Menschenrechte. Denken wir an den kleinen „Carlos“ in uns allen. Der kleine Junge, das kleine Mädchen, Muttis Liebling, Vatis Stolz. Ein gutes Kind, das lieber mit flauschigen Katzenbabys gekuschelt hat, als seine Klassenkameraden zu verdreschen. Und worauf kommen wir? Genau. In „Carlos’“ Leben gab es keine Katzenbabys zum Kuscheln. Wahrscheinlich gab es gar nichts zum Kuscheln. Darum fordere ich: Katzenbabys in den Strafvollzug! Rumkuscheln statt reinkicken! Weichstreicheln statt hart strafen.

Erschienen Anfang Dezember 2013 auf www.westnetz.ch

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