Die wirkliche Ehrlichkeit und die darauf folgende ehrliche Wirklichkeit von überführten Sündern

Verlogene Anekdoten aus den Sündenregistern: Steuerhinterziehung, Radsport-Doping und Sex.

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Stehlen, lügen und betrügen sind urmenschliche Verhaltensmuster. Alle machen es, obwohl jeder weiss, dass es unrecht ist und man dabei erwischt werden kann. Wenn’s so weit ist, wird zuerst alles vehement abgestritten. Hilft das nicht mehr, tischt man die ganz fetten Lügengeschichten auf. Ganz am Schluss wird reumütig geweint. Dem einen wird verziehen, der andere wandert ins Gefängnis. Alice Schwarzer wird ausgebuht.

Steuerhinterziehung

Alice Schwarzer hat Steuern hinterzogen! Um Himmels Willen! Ausgerechnet sie, die Feministin! So was machen doch nur böse, habgierige Männer.  Frauen, diese zarten Wesen, kommen gar nicht auf den Gedanken. Weil denen nämlich Geld total egal ist. Nun, die Schwarzer hat’s getan. Und ist dabei in bester Gesellschaft. Ein bisschen dümmlich wirkt die Opfermasche, die sie da abzieht, ansonsten finde ich die ganze Geschichte nicht weiter schlimm. Wer hat nicht schon mal was gestohlen, am Kiosk einen Kaugummi oder zu Hause aus dem Portemonnaie der Mutter? Ich behaupte: jeder. Nur sind die meisten von uns nicht prominent. Und drum steht auch nicht jedes Wort, das wir mal geäussert haben unauslöschbar im Netz.

Prominente Steuersünder aus Deutschland und ihre Zitate vorher/nachher:

Freddy Quinn, Entertainer:

September 2001 (vorher): „Meine grosse Stärke ist die absolute Ehrlichkeit.“

2004 (nachher): „…das war eine Untat. Es tut mir leid.“

Uli Hoeneß , ehem. Fussballspieler, Fussballfunktionär:

2005 (vorher): „Ich weiss, dass das doof ist, aber ich zahle volle Steuern.“

2013 (nachher): „Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe riesen Mist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch.“

Theo Sommer, ehem. Chefredakteur und Herausgeber „Die Zeit“, Journalist:

2006 (vorher): „Doch muss sich die Verantwortung der Managerklasse nicht nur bei den Einkommensansprüchen erweisen. Sie muss sich darüber hinaus in einer sauberen, ehrlichen Geschäftsmoral widerspiegeln, wenn Big Business nicht schlechthin mit organisierter Kriminalität in eins gesetzt werden soll.“

2014 (nachher): „Das war eine Torheit, die ich bereue…“

Klaus Zumwinkel, Unternehmensberater:

Februar 2008 (vorher): „Führungskräfte sind Vorbilder.“

Januar 2009(nachher): „Das war der grösste Fehler meines Lebens.“

Alice Schwarzer, Journalistin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma:

(vorher) „Das private ist politisch.“

2014 (nachher): „Das Konto war ein Fehler. Den bedaure ich von ganzem Herzen.“

Sie klagt über Persönlichkeitsverletzung.

Radsport

Während sich die ertappten Steuerhinterzieher alle mit hängendem Kopf entschuldigen und reumütig zeigen, horten sich die auf Doping positiv getesteten Radsportler trotzig zu einem Haufen und erfinden die kreativsten Lügen, um sich gleich im Anschluss alle gegenseitig zu denunzieren. Entschuldigen tut sich keiner. Alex Zülle fand es schrecklich, dass er vor der Kamera heulen musste, wo er doch im Knast auch nicht hatte heulen müssen und tat sich furchtbar leid. Jan Ullrich gab sich durchs Band weg arrogant, beschimpfte als Auftakt zur Pressekonferenz zuerst die schwarzen Schafe der Journalisten und gab nach langwierigem Zetern und Brabbeln kleinlaut seinen Abschied bekannt. Am Schluss sagen sie alle die Wahrheit: jeder hat’s gemacht, um überhaupt mit dabei sein zu können. (Habe ich früher auch immer gesagt, wenn man mich in der Schule beim Spicken erwischt hatte.)

Nur einer ist anders: Lance Armstrong. Er ist der Pate des Radsport-Dopings, der Erfinder „des höchstentwickelten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramms, das die Sportwelt jemals gesehen hat“(gemäss USADA). Er zeigt keine Regung, bleibt cool bis am Schluss. Ich vermute, er hat sich zu einem Cyborg umdopen lassen.

Die lustigsten Erklärungen zu positiven Dopingtests:

Jan Ullrich:

2002: Hat in einer Diskothek von einem Unbekannten „irgendwelche“ Tabletten zugesteckt bekommen,die seinen psychischen Zustand verbessern sollten.

Erik Zabel:

1994: Hat eine Kortison-haltige Salbe gegen Sitzbeschwerden genommen

2007: Hat 1996 lediglich eine Woche mit EPO rumexperimentiert.

2013 (nachher): „Meine Schuld wird mich immer begleiten.“

Gilberto Simoni:

Giro d´Italia 2002: Hat ein kokainhaltiges Narkosemittel bei einer Zahnarztbehandlung und peruanische Bonbons von seiner Tante erhalten. Er wurde freigesprochen.

Floyd Landis:

Tour de France 2006Die Werte seien für ihn natürlich, da er ein Schilddrüsenpräparat erhalten und zudem am Vorabend Bier und Whiskey getrunken habe.

Alex Zülle:

Festinaskandal 1998 (nachher): „das haben alle gemacht….. heeuuuuullll, schluchz“

Lance Armstrong, der Pate:

2012 (vorher): Ich habe niemals gedopt.

17. Januar 2013 bei Oprah Winfrey (nachher): Ich habe gedopt.

Sex

Zu Sex und Betrug gibt es viele haarsträubende Geschichten. Zum Beispiel David Letterman, der jahrzehntelang junge Mitarbeiterinnen verführt hatte und dazu lediglich meinte: Um Himmels Willen, Dave hat Sex! Oder Tiger Woods, der alles gevögelt hatte, das nicht fliegen konnte und dem es dann auch ganz fest leid tat, dass er gelogen und betrogen hatte. Ehrlich. Dabei ist das ja alles legal.

Es gibt allerdings auch in dieser Sparte einen Paten. Der Mann, der zwar an einem Joint gezogen, aber niemals inhaliert hat! Der Mann, der Zigarren in die Hand nahm, aber nicht in den Mund. Und der Mann, dessen Geliebte besser geschluckt hätte und zwar ALLES. Die letzten Worte gehen an:

Mr. Bill Clinton, Ex-Präsident der USA:

17. Januar 1998:

„… but I want to say one thing to the American people. I want you to listen to me. I’m going to say this again. I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky. I never told anybody to lie, not a single time; never. These allegations are false.“

„… Aber ich möchte dem amerikanischen Volk eines sagen. Ich möchte, dass Sie mir zuhören. Ich werde es erneut sagen. Ich hatte keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau, Frau Lewinsky. Ich habe niemandem gesagt, dass er lügen soll, nicht ein einziges Mal, niemals. Diese Anschuldigungen sind falsch.“

17. August 1998:

„… Indeed, I did have a relationship with Ms. Lewinsky that was not appropriate. In fact, it was wrong. It constituted a critical lapse in judgment and a personal failure on my part for which I am solely and completely responsible. … I misled people, including even my wife. I deeply regret that.“

„…Tatsächlich hatte ich eine Beziehung mit Miss Lewinsky, die nicht angemessen war. Genaugenommen war sie falsch. Das war eine fatale Fehleinschätzung und ein Versagen meinerseits, für das ich allein und komplett verantwortlich bin. … Ich habe Menschen getäuscht, sogar meine Frau. Das bedauere ich zutiefst.“

Die Inhalte und Zitate in diesem Artikel entsprechen der absoluten Wahrheit.

Andernfalls tut es mir leid.

 

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