Der Lauf der Hirnlappen in einer fehlgeleiteten Zeit.

In einer Befragung des „Beobachters“ zur geplanten Reform des Familienrechts bezeichnete der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi alleine Lebende mit wechselnden Partnern und Homosexuelle als Fehlgeleitete, letztere durch einen verkehrt laufenden Hirnlappen.

Dass Hirnlappen laufen können, weiss wohl jedes Kind. Dass sie dabei auch fehlgeleitet werden können, das heisst „verkehrt laufen“, ist die logische Schlussfolgerung. Im Detail heisst das: Der richtig laufende Hirnlappen dreht sich nach rechts, und der verkehrt laufende Hirnlappen dreht sich nach links. Dass links verkehrt und rechts richtig ist, hat weder Herr Bortoluzzi noch die SVP erfunden. Das ist ein Naturgesetz, das überall zu finden ist. Zum Beispiel im Joghurt. Die guten Bifidus-Bakterien drehen sich nach rechts und verhelfen uns dabei zu einer guten Verdauung. Die schlechten Milchsäure-Bakterien drehen nach links und verursachen ein Völlegefühl. Dass die fehlgeleiteten Joghurts überhaupt noch verkauft werden, ist allerdings rätselhaft. Wahrscheinlich werden sie von linken Schwulen gekauft, die in einem Völlegefühl alles andere als ein Problem sehen. Und da die Fehlgeleiteten für ihre Masslosigkeit bekannt sind, werden die schwulen Joghurts gleich im 6-Pack angeboten und erst noch in allen Sorten! Zum guten Glück kann unsereins immer noch auf die nature Bifidus-Joghurts in der 4-er-Familienpackung zurückgreifen.

Ich war einige Zeit ebenfalls fehlgeleitet. Das lag zum grössten Teil an dem liberalen Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin. Die Liberalen sind noch schlimmer als die Linken. Sie sind zwar keine schwulen Joghurts, aber mit Sicherheit die Weicheier im Café complet. Kann sich jemand vorstellen, was mit einem kleinen Mädchen passiert, das seinen Vater beim Abräumen des Tisches und Saubermachen der Küche zusehen muss? Das erleben muss, dass die Mutter eigenes Geld verdient, das sie auch noch selber ausgibt? Und als wäre das alles noch nicht genug – das wehrlos daneben stehen muss, wenn die eigenen Eltern zwei schwule Männer ins Haus lassen, sie am Familientisch bewirten und das immer und immer wieder? In meinem Kopf drehte sich zu der Zeit einiges, aber bestimmt nicht im rechten Dreh.

Viel später habe ich erfahren, dass es in unserer Familie eine Frau gibt, die in Amerika in einer lesbischen Beziehung lebt. Das Verkehrte muss also in unseren Genen stecken. Doch ich bin stark. Ich habe dagegen angekämpft und bin weder lesbisch geworden, noch lebte ich lange alleine. Heute bin ich verheiratet – mit einem richtigen Mann – und habe zwei Kinder, die ich nach allen Kräften zu rechtsdrehenden Hirnlappen erziehe. Mein Mann ist das Gegenstück zu mir. Ohne ihn wäre ich nur eine nutzlose Rippe in der grossen Schöpfung. Er baut gerade ein Haus für unsere Familie. Und ich habe begonnen zu stricken. Ich bin voll und ganz erfüllt.

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Bildquelle: wolltraum.de

 

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