Archiv der Kategorie: Gesellschaft/Politik

Man sollte euch die Kommentarspalten wegnehmen!

vor geburt1

„Das hätte sie sich besser vorher überlegt!“

Die #regrettingmotherhood-Bewegung wurde in sämtlichen Medien breit diskutiert und die Beiträge heftigst kommentiert. Eigentlich habe ich mir den Vorsatz genommen, keine Kommentare mehr zu lesen, es sei denn, sie betreffen meine eigenen Artikel. Da das Thema #regrettingmotherhood aber mich selber betrifft, habe ich meinen Vorsatz gebrochen und die Kommentare zu den verschiedenen Beiträgen gelesen. Ein Fehler.

Das Kommentieren wird einem sehr einfach gemacht: ein Name und eine email-Adresse eingeben, und schon ist man dabei. Die Daten werden nicht überprüft. So kann jeder unter einem Pseudonym und mit falscher email-Adresse kommentieren – was die meisten auch tun. Und anonym lässt es sich besonders gut Dampf ablassen. Bei einem stark polarisierenden Thema wie #regrettingmotherhood, wo sich Frauen getrauen zu sagen, dass sie es bereuen, Mutter geworden zu sein, gehen die Emotionen ungebremst hoch. Ein riesiger Haufen Wut, Scham, Angst und Verunsicherung prallt mit aller Wucht auf jene, die sich in Empathie üben. Da wird beleidigt, verflucht und beschimpft. Hier ein paar der harmloseren Kommentare, die im Zusammenhang mit Artikeln über unzufriedene Müttern besonders oft fallen und an Dummheit kaum zu überbieten sind:

„Diesen Müttern sollte man die Kinder wegnehmen“.

Im Prinzip gut durchdacht! So wäre den Müttern und den Kindern geholfen! Auch die Väter hätten sicher nichts dagegen, wenn die Kinder wegkommen, wieso auch? Die Logistik macht hier allerdings Probleme: abholen, zwischenlagern, weitergeben. Leider ist die KESB im Moment gerade mit anderen Problemen ausgelastet. Und der Staat ist immer noch mit Reparationszahlungen an die ehemaligen Verdingkinder beschäftigt, weshalb er es mit der Schaffung eines neuen Falles im Moment grad nicht so eilig haben wird.

„Es gibt genügend Frauen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als Kinder zu haben und keine bekommen können.“

Was für eine raffinierte Verknüpfung zweier verschiedener Bereiche zum Thema Muttersein! Und die Lösung liegt auf der Hand: Die eine will und kann nicht, die andere hat und will nicht – also rüber mit den Kindern! Sieht nach einer win-win Situation aus, doch auch hier könnte es an der Umsetzung hapern. Pragmatische Lösungen sind gefragt. Zum Beispiel die Schaffung einer online-Vermittlung: ebaby. Darauf könnte ein Vermittlungsantrag so aussehen: „Wegen regretting motherhood abzugeben an unfruchtbare Frau: 2 Kinder, vintage Jahrgänge, top Zustand, geliebt, geimpft und entwurmt.“

„Wieso haben diese Frauen überhaupt Kinder gemacht?“

Das ist jetzt einfach. Weil Angela und Babs und Corinne auch Kinder haben und total glücklich sind damit, auch wenn sie jetzt wieder rauchen. Weil alles eine Frage der Organisation ist. Und des Geldes. Weil es zwar anstrengend ist, aber das Grösste in einem Frauenleben. Vergleichbar mit der RS bei den Männern, nur 18 Jahre länger. Weil sich jede normale Frau Kinder wünscht. Dafür ist nämlich die Gebärmutter da. Weil das Leben immer hält, was es verspricht. Und sonst kommt es dann schon gut, irgendwann. Weil Lebenspläne immer aufgehen, wenn man sie nur schön genug zeichnet. Und nicht zuletzt: weil Sex geil ist und abtreiben scheisse.

„In diesem Fall wäre lügen besser. Wie wird es diesen Kindern wohl gehen, wenn sie einmal davon erfahren…!“

Offenbar ist Kinder anlügen eine höhere Tugend, als offen zu seinen Gefühlen zu stehen. Und da Kinder dumm und gefühllos sind, werden sie auch nicht merken, dass ihnen ihre Mutter jahrelang etwas vorspielt. Hauptsache sie müssen sich nie mit der unangenehmen Wahrheit auseinandersetzen, dass ihre Mutter sie zwar geliebt hat, aber Mühe mit dem Muttersein hatte. So wird das Bild der hingebungsvollen Mutter nicht beschädigt und die Kinder können dieses edle Gut zusammen mit dem diffusen Gefühl, dass irgendetwas in ihrer Familie nicht gestimmt hat, ihren eigenen Kinder weitergeben.

„ … Wir (Männer) müssen jeden Tag von früh bis spät ins Büro arbeiten, um die Familie zu ernähren. Das ist auch nicht immer lustig! … Und dafür erhalten wir keine Liebe!“

Nun ja, mit Geld abgespiesen zu werden, kann einem schon gehörig zusetzen. Aber in diesem Fall muss ich sagen: Solchen regretting Businessmen sollte man den Job wegnehmen. Oder besser noch, man sollte solchen Männern den Lohn wegnehmen. Und sie dann für die nächsten 18 Jahre für einen unbezahlten Job ohne Aufstiegsmöglichkeiten verpflichtet – DAS ist nicht lustig!

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Je suis Kollateralschaden

Kollateralschaden

Das Thema „Attentat auf Charlie Hebdo“ ist langsam durch. Die Attentäter sind tot, die Aufregung legt sich. Viele Charlies kehren wieder zu ihren eigenen Namen zurück. Doch niemand wird die Namen der Toten vergessen, denn sie waren Charlie. Oder etwa doch? Kann man etwas vergessen, das man gar nicht kennt?

Zur Erinnerung hier die Namen der Toten vom 7. Januar 2015: Bernard Maris • Jean Cabut • Georges Wolinski • Bernard Velhac • Stéphan Charbonnier • Philippe Honoré • Franck Brinsolaro • Ahmed Merabet • Elsa Cayat • Frédéric Boisseau • Michel Renaud • Mustapha Ourrad

Natürlich können wir uns diese Namen auf die Schnelle nicht merken. Nur die vier Karikaturisten nennen wir vertraulich bei ihren Künstlernamen: Cabu, Wolinksi, Tignous und Charb, als würden wir sie schon lange kennen. Auch wenn wir grad keine einzige Karikatur den Namen der Zeichner zuordnen können. Mohammed Karikaturen halt. Und auch andere. Jesus, Papst, Holland – Satire! Was das Magazin halt so macht. Oder machte, davor. Charlie Hebdo kennen wir natürlich gut und haben auch sofort nach dem Attentat die Seite von Charlie Hebdo auf facebook geliked. (Charlie Hebdo – ist das der Name des Gründers des Magazins? Schnell auf Wikipedia – ach so, ja klar – Charlie Braun und Hebdo – logisch! Hätten wir eigentlich wissen müssen.) Obwohl wir das Magazin vorher nie wirklich in Händen gehalten haben. Kriegt man das überhaupt in der Schweiz? So richtig vor Augen hatten wir es auch nie. Ist ja auch alles französisch und die Themen sind uns nicht so geläufig. Ausser natürlich die Mohammed Karikaturen. Die hatten wir schon einige Male vor Augen. Wie wir die damals beurteilt haben, fällt uns jetzt gar nicht mehr ein. Wahrscheinlich fanden wir sie toll. Vor allem die von Cabu und Charb. Und Wolinsky und Tignous und Honoré, die waren einfach – toll! Ist ja auch egal, was wir damals fanden. Menschen sind dafür gestorben! Und für die Pressefreiheit und die freie Meinungsäusserung. Für uns Journalisten, Texter, Autoren, Karikaturisten, Intellektuelle….ja, und auch für all die anderen. Wir sind direkt betroffen. Und diese Betroffenheit steht uns richtig gut. Sie bringt uns ein bisschen näher zu den Helden von Charlie Hebdo, die in der Redaktion gestorben sind. Nous sommes Charlie. Totale Identifikation. Totale Solidarität. Charlie Hebdo und sein Werk muss verteidigt werden. Es geht um unsere Freiheit. Eine Kritik an den Karikaturen, eine andere Meinung, eine unsichere Stimme – feige, unwahr und armselig! Zusammen kreischen wir die Ungläubigen nieder und klopfen uns gegenseitig auf die Schultern. Die guten Publikationen werden gelobt, die bösen Zeitungen gebrandmarkt. Im Namen der Freiheit. Je suis Charlie.

Charlie Hebdo wird weiterleben. Es wird eine neue Ausgabe geben in einer Auflage von 1’000’000. Werte bleiben erhalten. Wer in Zukunft die Mohammed-Karikaturen machen soll, ist ungewiss, sind ja alle tot. Irgendjemand wird wohl den Mut dazu aufbringen müssen, denn ohne Mohammed-Karikaturen kein siegreicher Charlie Hebdo. Der Job verspricht Ruhm, wenn auch post mortem. Vielleicht einer der Journalisten, Texter, Autoren etc, die den ganzen Mut, die ganze Wahrheit und Moral verinnerlicht haben? Kein freiwilliger Charlie mehr da? Sind alle wieder zu ihren eigenen, weniger ruhmreichen Identitäten zurückgekehrt. Ein bisschen verkatert noch, der eine oder die andere, aber wieder ganz bei sich selbst.

Die ganze Aufregung ist vorbei, schon heute. Vielleicht schauen wir noch schnell in die nächste Ausgabe des Charlie Hebdo und dann nie wieder. Vielleicht nicht mal das, denn wenn wir ganz ehrlich sind, interessiert uns Charlie Hebdo nicht. Hat er noch nie so richtig. Irgendwann klicken wir auf der Charlie Hebdo-Facebook Seite auf „gefällt mir nicht mehr“. Merkt ja keiner. Hat auch keiner gemerkt, dass uns der Tod von Bernard Maris, Jean Cabut, Georges Wolinski, Bernard Velhac, Stéphan Charbonnier, Philippe Honoré, Franck Brinsolaro, Ahmed Merabet, Elsa Cayat, Frédéric Boisseau, Michel Renaud und Mustapha Ourrad kalt gelassen hat. Genauso wie der Tod der vier Geiseln, die im Zusammenhang mit der Erschiessung der Attentäter umkamen. Wir kennen keine Namen. Einfach nur Geiseln. Keine Information ob Mann oder Frau, alt oder jung. Es ist nicht einmal bekannt, wie und durch wen sie umgekommen sind. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Jüdischer Lebensmittelladen. Wahrscheinlich Juden, die nicht für die freie Meinungsäusserung gestorben sind, sondern für Matze. Keine Projektionsfläche für Heuchler. Nur Kollateralschaden.

Je suis Kollateralschaden.

Der Lauf der Hirnlappen in einer fehlgeleiteten Zeit.

In einer Befragung des „Beobachters“ zur geplanten Reform des Familienrechts bezeichnete der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi alleine Lebende mit wechselnden Partnern und Homosexuelle als Fehlgeleitete, letztere durch einen verkehrt laufenden Hirnlappen.

Dass Hirnlappen laufen können, weiss wohl jedes Kind. Dass sie dabei auch fehlgeleitet werden können, das heisst „verkehrt laufen“, ist die logische Schlussfolgerung. Im Detail heisst das: Der richtig laufende Hirnlappen dreht sich nach rechts, und der verkehrt laufende Hirnlappen dreht sich nach links. Dass links verkehrt und rechts richtig ist, hat weder Herr Bortoluzzi noch die SVP erfunden. Das ist ein Naturgesetz, das überall zu finden ist. Zum Beispiel im Joghurt. Die guten Bifidus-Bakterien drehen sich nach rechts und verhelfen uns dabei zu einer guten Verdauung. Die schlechten Milchsäure-Bakterien drehen nach links und verursachen ein Völlegefühl. Dass die fehlgeleiteten Joghurts überhaupt noch verkauft werden, ist allerdings rätselhaft. Wahrscheinlich werden sie von linken Schwulen gekauft, die in einem Völlegefühl alles andere als ein Problem sehen. Und da die Fehlgeleiteten für ihre Masslosigkeit bekannt sind, werden die schwulen Joghurts gleich im 6-Pack angeboten und erst noch in allen Sorten! Zum guten Glück kann unsereins immer noch auf die nature Bifidus-Joghurts in der 4-er-Familienpackung zurückgreifen.

Ich war einige Zeit ebenfalls fehlgeleitet. Das lag zum grössten Teil an dem liberalen Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin. Die Liberalen sind noch schlimmer als die Linken. Sie sind zwar keine schwulen Joghurts, aber mit Sicherheit die Weicheier im Café complet. Kann sich jemand vorstellen, was mit einem kleinen Mädchen passiert, das seinen Vater beim Abräumen des Tisches und Saubermachen der Küche zusehen muss? Das erleben muss, dass die Mutter eigenes Geld verdient, das sie auch noch selber ausgibt? Und als wäre das alles noch nicht genug – das wehrlos daneben stehen muss, wenn die eigenen Eltern zwei schwule Männer ins Haus lassen, sie am Familientisch bewirten und das immer und immer wieder? In meinem Kopf drehte sich zu der Zeit einiges, aber bestimmt nicht im rechten Dreh.

Viel später habe ich erfahren, dass es in unserer Familie eine Frau gibt, die in Amerika in einer lesbischen Beziehung lebt. Das Verkehrte muss also in unseren Genen stecken. Doch ich bin stark. Ich habe dagegen angekämpft und bin weder lesbisch geworden, noch lebte ich lange alleine. Heute bin ich verheiratet – mit einem richtigen Mann – und habe zwei Kinder, die ich nach allen Kräften zu rechtsdrehenden Hirnlappen erziehe. Mein Mann ist das Gegenstück zu mir. Ohne ihn wäre ich nur eine nutzlose Rippe in der grossen Schöpfung. Er baut gerade ein Haus für unsere Familie. Und ich habe begonnen zu stricken. Ich bin voll und ganz erfüllt.

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Bildquelle: wolltraum.de

 

Der einzig gangbare Weg zur Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens in der Schweiz

Wieso man Zootiere freilassen sollte, um Menschenleben zu retten.

BildBild: Zoo Zürich

Seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative überschlagen sich die Spekulationen, was sich in der Schweiz alles verändern wird. Am meisten Angst macht uns die Vorstellung, dass es in den Spitälern zu wenig Pflegepersonal geben wird und die medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet ist. Die Angst ist begründet, sind doch rund 40% des Pflegepersonals Ausländer. Wie lässt sich ein Kollaps des Gesundheitswesens verhindern und wie wirken sich die Konsequenzen daraus auf unser Leben in der Schweiz aus?

Das Fehlen von Personal in den Spitälern macht sich als erstes bemerkbar durch allgemeine Vernachlässigung der Patienten. Es kommt zu Todesfällen von Akutpatienten, zu Fehlern mit tödlichen Konsequenzen durch Überarbeitung, Schliessung von Notfallabteilungen, dramatischen hygienischen Missständen. Es gibt zwar massenhaft Assistenzärzte, weil der numerus clausus kein Thema mehr ist, aber keine Auszubildenden, weil Spitzenmedizin auch kein Thema mehr ist. „Lieber zu Hause sterben als im Spital verrotten“, heisst es neuerdings in der Schweiz.

Irgendwann stellen wir uns die Frage: Wollen wir unsere ehemals exzellente medizinische Versorgung um jeden Preis retten? Wir wollen. Aber was für ein Preis könnte das sein? Auch mit allem Geld der Schweiz können wir kein Pflegepersonal beschaffen, wenn das Kontingent ausgeschöpft ist! Der Preis heisst Zoo. Pflegepersonal ist Pflegepersonal, da reicht ein Kontingent dem anderen die Hand. Ein weisses Kittelchen, eine motivierende Lohnerhöhung und schon wird aus dem Menschenaffen-Pfleger eine Pflege-Fachkraft für Menschen. Da muss nicht mal mehr gross umgeschult werden! Der Betrieb wird aufrecht erhalten, die Spitzenmediziner bleiben, das System ist gerettet.

Doch was wird aus den Tieren? Wer füttert sie, mistet die Ställe und Gehege aus, pflegt sie, wenn sie krank sind? Niemand. Sie werden freigelassen. Zuerst nur auf dem Zoogelände, wo man sie weiterhin mit einer Handvoll Zivildienstler unter Kontrolle halten will. Man hofft, dass die Natur das Ihrige tut und sich die Tiere von alleine dezimieren. Doch was hat uns der Film Jurassic Park gelehrt? Die Natur findet ihren eigenen Weg. Deshalb machen sich die Tiere schnell davon in die Freiheit. In Zürich hat zuerst der Zürichberg zu leiden. Einen Parkplatz zu finden, ist kein Problem mehr, vom Parkplatz zum Haus zu kommen schon eher.

Viele Tiere zieht es  in den Wald, andere quer durch die Stadt an den See. Die Pinguine bleiben wahrscheinlich auf dem Dolder Eisfeld hängen und übernehmen dann allmählich den ganzen Dolder. Dort integrieren sie sich vorzüglich dank ihren Fräcken.

Die Bären und Wölfe gehen zurück in die Wälder, woher sie ursprünglich kommen. Zusammen mit ihren illegal eingewanderten Artgenossen aus Italien gründen sie eine neue starke Population, die nicht mehr so einfach abgeschossen werden kann, wenn mal eine Schafherde dran glauben musste. Herdenschutz ist plötzlich ein ernst zu nehmendes Thema. Am besten setzt man dafür die Elefanten ein. Elefanten in den Bergen – Hannibal lässt grüssen! Damit lässt sich auch touristisch einiges herausholen!

Die kleineren Raubkatzen machen sich zuerst über die Hunde und Katzen her, die grossen über Kühe und Pferde. Und dann über alles andere, das herumstreunt. Feuer werden nachts in den Gärten der Villen entzündet, um die wilden Tiere fernzuhalten. Und jedes Jahr gibt es ein blutiges Spektakel, wenn die grossen Herden auf ihrem Weg vom Langenberg zum Buschland des Flughafens ziehen und von den Löwen auf der Bahnhofstrasse gejagt werden.

„Äntli füetere“ am Zürichhorn war einmal. Der Zürichsee wird zum Wasserloch der Wildtiere. Familien pferchen sich künftig in den umgitterten Spielplatz am Zürichhorn, nicht um zu spielen, sondern um hinter den sicheren Zäunen den Nashörnern und Büffelherden beim Trinken zuzuschauen. Und sind die Löwen grad am Züri-Wasserloch, dauert’s halt ein bisschen länger, bis man wieder aus dem Käfig rauskommt.

Zum Schluss noch die Affen. Sie sind klug und verziehen sich wahrscheinlich nach Zürich West. Dort hat man’s nicht so mit der Fremdenangst. Vielleicht findet der eine oder andere Gorilla sogar einen Job als Türsteher in einem Club oder ein Schimpanse füllt ein Kontingentsloch in der Küche eines Restaurants. Dabei sei Vorsicht geboten! Wenn wir verhindern wollen, dass in ein paar tausend Jahren ein Zeitreisender vor den Ruinen des Grossmünsters niederkniet und „ihr Wahnsinnigen“ rumbrüllt, nachdem ihn eine Horde bewaffneter Affen beinahe gelyncht hätte, sollten wir die tierischen Mitarbeiter gut behandeln und fair entlöhnen.

Es wird ein gefährliches Leben sein bei uns in der Schweiz, nachdem wir das Gesundheitswesen gerettet haben. Lebensgefährlich! Sicherheit wird eine andere Bedeutung erhalten. Wir werden weiterhin unsere Meinung frei äussern können, ohne dabei ums Leben bangen zu müssen. Das aber nur, wenn wir sie nicht draussen im Freien äussern. Die Kriminalitätsrate wird zurück gehen – traut sich ja keiner mehr raus nach Sonnenuntergang! Bildung und Erziehung unserer Kinder werden sich nur geringfügig ändern. Es wird mehr Tagesschulen geben, ausserschulische Aktivitäten werden zu innerschulischen Aktivitäten und die Schulanlagen werden von bewaffneten Aufsichtspersonen bewacht.

Die neue Maxime heisst: Nur wer in der Gruppe bleibt, überlebt.

Die wirkliche Ehrlichkeit und die darauf folgende ehrliche Wirklichkeit von überführten Sündern

Verlogene Anekdoten aus den Sündenregistern: Steuerhinterziehung, Radsport-Doping und Sex.

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Stehlen, lügen und betrügen sind urmenschliche Verhaltensmuster. Alle machen es, obwohl jeder weiss, dass es unrecht ist und man dabei erwischt werden kann. Wenn’s so weit ist, wird zuerst alles vehement abgestritten. Hilft das nicht mehr, tischt man die ganz fetten Lügengeschichten auf. Ganz am Schluss wird reumütig geweint. Dem einen wird verziehen, der andere wandert ins Gefängnis. Alice Schwarzer wird ausgebuht.

Steuerhinterziehung

Alice Schwarzer hat Steuern hinterzogen! Um Himmels Willen! Ausgerechnet sie, die Feministin! So was machen doch nur böse, habgierige Männer.  Frauen, diese zarten Wesen, kommen gar nicht auf den Gedanken. Weil denen nämlich Geld total egal ist. Nun, die Schwarzer hat’s getan. Und ist dabei in bester Gesellschaft. Ein bisschen dümmlich wirkt die Opfermasche, die sie da abzieht, ansonsten finde ich die ganze Geschichte nicht weiter schlimm. Wer hat nicht schon mal was gestohlen, am Kiosk einen Kaugummi oder zu Hause aus dem Portemonnaie der Mutter? Ich behaupte: jeder. Nur sind die meisten von uns nicht prominent. Und drum steht auch nicht jedes Wort, das wir mal geäussert haben unauslöschbar im Netz.

Prominente Steuersünder aus Deutschland und ihre Zitate vorher/nachher:

Freddy Quinn, Entertainer:

September 2001 (vorher): „Meine grosse Stärke ist die absolute Ehrlichkeit.“

2004 (nachher): „…das war eine Untat. Es tut mir leid.“

Uli Hoeneß , ehem. Fussballspieler, Fussballfunktionär:

2005 (vorher): „Ich weiss, dass das doof ist, aber ich zahle volle Steuern.“

2013 (nachher): „Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe riesen Mist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch.“

Theo Sommer, ehem. Chefredakteur und Herausgeber „Die Zeit“, Journalist:

2006 (vorher): „Doch muss sich die Verantwortung der Managerklasse nicht nur bei den Einkommensansprüchen erweisen. Sie muss sich darüber hinaus in einer sauberen, ehrlichen Geschäftsmoral widerspiegeln, wenn Big Business nicht schlechthin mit organisierter Kriminalität in eins gesetzt werden soll.“

2014 (nachher): „Das war eine Torheit, die ich bereue…“

Klaus Zumwinkel, Unternehmensberater:

Februar 2008 (vorher): „Führungskräfte sind Vorbilder.“

Januar 2009(nachher): „Das war der grösste Fehler meines Lebens.“

Alice Schwarzer, Journalistin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma:

(vorher) „Das private ist politisch.“

2014 (nachher): „Das Konto war ein Fehler. Den bedaure ich von ganzem Herzen.“

Sie klagt über Persönlichkeitsverletzung.

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Die einzig ungefälschten Tatsachen über die Masseneinwanderung in der Schweiz

Wieso Masseneinwanderung schon im Kleinen anfängt, aber auch den Grossen keine Angst machen muss

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Masseneinwanderung ist eine reale Bedrohung. Findet Simone Liedtke. Denn sie ist massiv betroffen von unkontrollierter Masseneinwanderung. Und das in ihrem eigenen Heim! Weder Säuberungsaktionen, noch Ausrottungsversuche helfen. Sie kommen unaufhörlich herein – zu Hunderten! Die Ameisen.

Ich muss zugeben, Ameisen sind gut organisiert, fleissig, erzeugen weder Schmutz noch Lärm und sind eigentlich freundliche Wesen. Aber sie sind da, wo sie nicht hingehören. Und deshalb stören sie. Ausserdem bringen sie meinen Haushalt durcheinander. Kaum ist eine Brotkrume unter den Tisch gefallen, kommen sie in Hundertschaften daher und schleppen das Ding gemeinsam weg. Geht gar nicht. Ich bestimme in meiner eigenen Küche immer noch selber, wann und wie die Brotkrumen wegkommen. Wofür bezahle ich denn eine Putzfrau (inkl. Sozialabgaben, natürlich)? Und ausserdem ist mein Fussboden kein Selbstbedienungsladen!

Mal eine Ameise da und dort ginge ja noch, aber kommt mal eine, zieht sie sogleich den ganzen Haufen nach. Strassen voller Ameisen rennen quer durch meine Küche! Denen ist es egal, dass es langsam eng wird, die kennen ja nichts anderes, als in Haufen zu leben. Aber bei mir löst das Stress aus. Und auch bei meiner Katze. Sie ist eine Schweizer Bauernhofkatze und eigentlich nicht zimperlich. Aber seit die Eindringlinge ihr das Trockenfutter wegfressen, hört auch beim Büsi die Toleranz auf. Kaum fällt ein Körnchen vom Fressnapfrand ist es schon in Ameisenhand. Dann wird es abtransportiert, zerlegt und in Kleinstteilen an den ganzen Haufen weitergegeben. Was einst Premium Light Katzenfutter gewesen ist, zieht sich jetzt ein ganzer Haufen Ameisen rein. Gut, ich gebe zu, die Katze ist sowieso zu dick. Sie passt beinahe nicht mehr durchs Katzentürchen. Aber darum geht es gar nicht. ICH kontrolliere das Gewicht meiner Katze! Und sollten meine Katze und ich einmal etwas Katzenfutter abgeben wollen, dann gibt es genügend einheimische Vogelarten, die gerade jetzt im Winter froh um Berücksichtigung sind.

Schlussendlich wäre das alles gar nicht so schlimm, ginge es nur um mich alleine. Aber ich habe kleine Kinder! Die können sich nicht wehren, wenn plötzlich tausende von Ameisen einwandern und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, unter ihren Füssen wegtragen. Und es geht jetzt nicht nur um Brotkrumen, sondern um den sicheren Boden, der ihnen unter den Füssen weggezogen wird. Es geht um die Werte, die in diesem Haus gelten und die von den Eindringlingen mit Millionen von Ameisenfüssen getreten werden. Will man an so einem Ort noch Kinder gross ziehen?

Meine kleinen Kinder haben allerdings von nichts eine Ahnung. Sie fürchten sich nicht vor den Ameisen. Sie finden sie lustig. Sie schauen ihnen zu und geben ihnen Namen. „Lug Mami, dä Liam isch wieder da! Ohhh und det isch dä Ben!“ Sie reden mit ihnen und tun so, als würden sie sie verstehen. Ich befürchte sogar, sie füttern sie. Wenn ich die Ameisen in den Staubsauger sauge, gibt es ein riesen Geschrei. Die Kinder verstehen nicht, dass die Ameisen nichts in unserem Haus zu suchen haben. Aber was wissen schon Kinder von Masseneinwanderung?

Nachwort: Vor längerer Zeit habe ich einmal ein Buch gelesen, das hat ein Nobelpreisträger geschrieben. Es beschrieb auf hunderten von Seiten eine 100-jährige Familiengeschichte, in der alle die selben Namen trugen, weil sie sich dauernd untereinander paarten. Am Schluss ging die ganze Sippe ein. Der letzte Nachkomme wurde als Säugling von Ameisen aufgefressen! Das Buch heisst „100 Jahre Einsamkeit“ und ist eines der schrecklichsten Bücher, das ich je gelesen habe. Noch schrecklicher war allerdings die Lektüre des 47-seitigen Argumentariums der Volksinitiative gegen Masseneinwanderung der SVP. Der Titel „100 Jahre Einsamkeit“ würde vorzüglich dazu passen.

Die einzig richtigen Massnahmen im Fall „Carlos“

Warum kuscheln und Justiz unbedingt zusammen gehören.

Katze

Seit ruchbar wurde, dass „Carlos“ für 29’000 Franken thaiboxt, streitet sich die Schweiz, wie mit ihm zu verfahren wäre. Nach reiflicher Prüfung erklärt Simone Liedtke, welche Therapie gar nicht geht, und warum ein Tram für „Carlos“ die einzig richtige Lösung sein könnte.

Der mehrfach verurteilte, jugendliche Straftäter – bekannt unter dem Pseudonym „Carlos“ – hat seine Strafe bereits abgesessen. Den rückfallgefährdeten Mann einfach ohne Therapie auf freien Fuss zu setzen, sah das Jugendstrafrecht jedoch nicht vor. So wurde er für viel Geld einzelbetreut und durfte jeden Tag ins Kickbox-Training. Dann hörten wir von der Sache in der Sendung „Reporter“ (SRF1, 25.8.2013, „Der Jugendanwalt“). Seither sitzt er zu seinem eigenen Schutz. Erst im Gefängnis Limmattal, von wo er drei Monate später in die geschlossene Abteilung des Massnahmezentrums Uitikon versetzt wurde, wo er die Möglichkeit erhält, eine Ausbildung zu machen. Die Kosten sollen sich halbiert haben. Gegen diese Versetzung protestierte „Carlos“ – zusammen mit seinen Eltern – mit einem Hungerstreik, den er allerdings nach drei Tagen beendete. Offenbar war ihm aufgegangen, dass ein Hungerstreik mit Hunger zu tun hat. Ist das Problem „Carlos“ damit gelöst? Oder ist die Hälfte von CHF 29’000 nicht immer noch zu viel für einen wie „Carlos“? Hier die Zusammenfassung unserer Fachexpertise.

Die falschen Massnahmen:

Verlies

Für viele ist klar: so einer gehört weggesperrt. Finde ich prinzipiell auch gut. Dass der dann aber in so einer Therapie-Einrichtung allen die Köpfe einschlägt, finde ich prinzipiell nicht gut. Also ganz weg mit dem. In ein tiefes, dunkles Loch, wo er nie raus darf und man ihm durch eine Luke Essen ins Loch wirft. Für immer. Ein solches Burgverlies habe ich mal gesehen – in der Kyburg war das. Dort hatte es auch eine Folterkammer. Aber so viel ich weiss, machen die jetzt dort auf Museum und gefoltert wurde auch schon lange nicht mehr.

Ausschaffung

Schaffen wir ihn halt aus! Eine Treibjagd wäre schön. Man könnte ihn von einer Horde aufgebrachter Hirschkühe bis über die Grenzen unseres Landes jagen und dann die Tore schliessen. Oder wir setzen ihn in ein Flugzeug nach Nimmerland. Oder nach Mittelerde, zu den Orks. Die fressen ihn gleich zum Apéro. Dann müssten wir nicht extra die Todesstrafe einführen, wie einige Stimmen für Kerle wie „Carlos“ fordern.

Arbeitslager

Wenn wir ihn schon behalten müssen, soll er wenigstens arbeiten für das viele Geld, das er kostet. Müssen wir schliesslich alle. Aber mal abgesehen davon, dass jeder Strafvollzug und jede Therapieeinrichtung extrem viel kostet und das bisschen Wäsche waschen und Möbel schreinern der Insassen etwa so viel Beitrag an die Kosten leistet, wie dieser Artikel an den Weltfrieden, wird sich wohl kaum ein Arbeitgeber finden lassen, der einen ungelernten, gewaltbereiten Straftäter beschäftigen möchte, für den Arbeitsmoral und -Ethik dieselbe Bedeutung haben wie Hungerstreik. Nämlich keine. Kommt mir nur noch Zwangsarbeit im Arbeitslager in den Sinn. Dafür müssten wir ihn allerdings nach China ausschaffen, dann könnte das funktionieren. Aber ob die Chinesen Bock auf unseren „Carlos“ haben?

Die richtigen Massnahmen:

Ich hätte da ein paar andere Methoden vorzuschlagen, die einfacher zu realisieren wären.

Das Hochsicherheits-Tram

Als Ergänzung zum Märlitram und zum Fonduetram, könnte man das Hochsicherheits-Tram lancieren. Ein altes Tram wird gepanzert und hochsicherheitstechnisch umgebaut. Damit fährt dann „Carlos“ zusammen mit ein paar anderen gaaanz bösen Jungs durch Zürich und immer, wenn sie sich an die Gurgel gehen wollen, macht der Tramchauffeur eine Vollbremsung, so dass alle durcheinanderpurzeln. Hat einen erzieherischen Effekt auf „Carlos“ und die bösen Buben und einen Unterhaltungswert für die ganze Bevölkerung. Das könnte sogar zur Touristenattraktion werden! Und kommt uns der Papst einmal besuchen, kann er sein Papamobil zu Hause lassen, denn wir haben ja das Hochsicherheitstram! Die Einsatzmöglichkeiten sind unzählig. Sogar in der Kleinkindererziehung könnte dieses Modell Verwendung finden: Anstatt den lieben Kinderchen mit den alten verstaubten Figuren wie dem Samichlaus oder dem Struwelpeter zu drohen, könnte man endlich mal etwas zeitgemässer mit „Carlos“ und dem Knastwägeli drohen. Als nächstes findet das Thema Eingang in die Kinder-Literatur und beschert uns am Ende sogar den Nobelpreis.

Die „Carlos“-Reality-Show

Ein weiterer erzieherischer Ansatz mit Unterhaltungswert ist die „Carlos“-Reality-Show. „Carlos“ muss wieder nach Hause zu Mutti und Vati. Die Eltern werden ihren Teil an dem ganzen Schlamassel beigetragen haben, sollen sie nun wieder etwas gut machen an der Gesellschaft und Verantwortung übernehmen. „Carlos“ wird mit den Eltern in deren Wohnung eingeschlossen. Überall sind Kameras installiert und nur ein ganz schmales Budget für Lebensmittel steht zur Verfügung. (Da macht dann ein 3-tägiger Hungerstreik auch wirklich Sinn.) Damit die ganze Show ein bisschen knistert, könnte man „Carlos“ auch gleich als den nächsten Bachelor vorstellen – an mangelnder Intelligenz scheint es ihm ja nicht zu fehlen und prominent ist er unterdessen auch. Da lässt sich sicher die eine oder andere Kandidatin finden, die ein paar Tage in der Wohnung verbringen möchte. Das wird ein Strassenfeger! Ein Bambi sollte drinliegen.

Die Grossraum-Anstalt

Geht man nun aber davon aus, dass nicht nur die Eltern, sondern auch die Nachbarschaft, die Schule, die ganze Gesellschaft verantwortlich sind für die Entwicklung eines Kindes, könnte man sich überlegen, ein ganzes Quartier zur Anstalt umzufunktionieren. Vielleicht die Langstrasse oder der Kreis 5. Oder gleich ganz Zürich West. Die Idee ist alt. Kann sich noch jemand an den Film „Die Klapperschlange“ aus dem Jahre 1981 mit Kurt Russel erinnern? Darin wurde ganz Manhatten in ein Hochsicherheitsgefängnis verwandelt. Wer mal drin war, kam nicht mehr raus. Ausser natürlich Kurt Russel. Vielleicht ein kleines bisschen radikal.

Die Kuschel-Therapie

Besinnen wir uns lieber auf die Adventszeit. Denken wir an die humanitäre Schweiz und an die Menschenrechte. Denken wir an den kleinen „Carlos“ in uns allen. Der kleine Junge, das kleine Mädchen, Muttis Liebling, Vatis Stolz. Ein gutes Kind, das lieber mit flauschigen Katzenbabys gekuschelt hat, als seine Klassenkameraden zu verdreschen. Und worauf kommen wir? Genau. In „Carlos’“ Leben gab es keine Katzenbabys zum Kuscheln. Wahrscheinlich gab es gar nichts zum Kuscheln. Darum fordere ich: Katzenbabys in den Strafvollzug! Rumkuscheln statt reinkicken! Weichstreicheln statt hart strafen.

Erschienen Anfang Dezember 2013 auf www.westnetz.ch