Archiv der Kategorie: Leben

Die Magie der grossen Ferien

mamablog_ferienBild: Mate Marschalko, flickr.com

Die grossen Ferien stehen vor der Tür und mit ihnen ein riesiger Berg von Wünschen, verknüpft mit ebenso vielen Erwartungen. Spass wollen wir haben. Abenteuer erleben. Erholen wollen wir uns. Die Sonne soll scheinen. Im Wasser wollen wir uns abkühlen. Am liebsten im Meer. In einem fernen Land. Oder in einem nahen Land. Einfach an einem Ort, der anders ist als zu Hause. Anders als Schule und anders als Beruf, anders als Äpfel zum Znüni und Ghackets mit Hörnli. Anders als Alltag – so müssen Ferien sein. Das erklären wir auch unseren Kindern, zwei Mädchen, 6 und 8 Jahre alt, die schon wieder die Augen verdrehen. Wir versprechen ihnen, dass sie ihre Puppe mitnehmen dürfen und das Schlaftier und das Lieblingsgeschichtenbuch und die Kuscheldecke. Damit das mit dem Anderssein auch für die Kinder erträglich wird.

So fahren wir dann los, das Auto vollgepackt bis zum Rand. Die Fahrräder mussten auch noch mit – wofür haben wir sie denn. Auch die Nespresso-Maschine ist wie immer dabei, dazu 64 Volluto- und 28 Ristrettokapseln, schön abgezählt für jeden Tag. Und natürlich auch für jeden Tag die richtige Kleidung. All die letztjährigen Sommerkleider, die wir viel zu wenig tragen konnten, und all die brandneuen Sommerkleider, die wir extra für die Ferien gekauft haben. Im Ausverkauf, 3 für 2. Etwas für schöne Anlässe und etwas, wenn es praktisch sein muss. Und etwas für Regenwetter. Denn es gebe kein schlechtes Wetter, es gebe nur falsche Kleidung, sagt der Leiter des Waldkindergartens und nervt mich damit immer wieder. Für die Kinder packen wir von allem alles doppelt ein – so gehen wir auf Nummer sicher. Der Spass ist bestens vorbereitet, es kann nichts mehr danebengehen.

Ferien jetzt! Doch zunächst ist Stau auf der Autobahn. Bild: Robin Utrecht/ Keystone

Ferien jetzt! Doch zunächst ist Stau auf der Autobahn. Bild: Robin Utrecht/ Keystone

Auf der Reise werden die Kinder nonstop mit Walt Disney berieselt, damit die Idee von Langeweile und Quengelei gar nicht erst aufkommt. Und zeigt ein Kind trotz Elsa und Arielle doch Unmut, wird ihm mit Aussetzen auf der Autobahn gedroht. Das hilft immer. Oder auch gar nicht. Egal. Ferien jetzt!

Haben wir dann endlich das Ziel unserer Wünsche erreicht, richten wir es uns schön gemütlich ein für die nächsten 14 Tage. Der Kaffee schmeckt wie zu Hause, die Pasta sogar noch besser. Die Kinder essen jeden Mittag Pommes frites, während wir uns schon mal den ersten Wein genehmigen. Sind ja Ferien! Danach planschen wir im Pool. Alles schön sauber und hygienisch. Nebenan gibts einen Spielplatz, viele Kinder, professionelle Betreuung. Klappt wie am Schnürchen, fast wie zu Hause. Alles organisiert, alles entspannt. Hat auch genug gekostet.

Abends kommt manchmal ein bisschen Heimweh auf. Die Spielsachen, die zu Hause bleiben mussten, die einsame Katze, die Blumen im Garten, die Freunde. Walt Disney hilft. Und für uns ein Schlückchen Wein. Sind ja Ferien! Bald sind wir wieder zu Hause, und dann ist das hier alles nur noch Erinnerung. Schöne Erinnerung. Meist schöner als der Urlaub selbst.

Wieso tun wir das? Wieso fahren wir Jahr für Jahr im Sommer in den Urlaub? Für die Kinder? Unsere Kinder wollen nicht reisen. Sie haben kein Interesse an fremdem Essen, unbekannten Sprachen und andersartigen Bräuchen. Das Vertraute gibt ihnen Sicherheit. Ich glaube, unsere Kinder würden am liebsten zu Hause bleiben, sich fünf Wochen lang mit ihren Freunden verabreden und jeden Tag Pommes Chips und Glace essen. So sehen für sie perfekte Sommerferien aus. Unsere erwachsene Version von perfekten Sommerferien sieht dagegen so aus: weit reisen, viel Kultur, viel fremdes Essen und Trinken, viel Entspannung, wenig bis keine Kinder.

Es gibt zwei Gründe, weshalb wir trotzdem jedes Jahr zusammen in die Ferien fahren, die so eigentlich keiner will:

1. Wir tun es für die gemeinsam verbrachte Zeit. 14 Tage sind wir vier zusammen. An einem Stück. An einem Ort. Im Guten wie im Schlechten. Familie total. Denn nur fernab von zu Hause und ohne Fluchtmöglichkeiten können wir derart intensive Familienzeit zusammen verbringen. Auch wenn wir danach mit den Nerven am Ende sind, lohnt es sich.

2. Wir tun es für die Erinnerungen. Denn diese werden grossartig sein, nachdem das Gehirn alles Unangenehme herausgefiltert hat. Was bleibt, ist die Essenz der Sommerferien: Spass, Abenteuer, Erholung und Familie. Ein Leben lang. Und je älter wir werden, umso kostbarer werden diese Erinnerungen für uns sein. Wir holen sie hervor und freuen uns daran, wenn diese Zeit schon lange vorbei ist. Sie stecken in unseren Genen und werden von Generation zu Generation weitergegeben und mit neuen Ferienerinnerungen angereichert.

Darin liegt die Magie der grossen Ferien.

Erschienen am 10. Juli 2015 auf Mamablog. (Die Kommentare sind übrigens auch lesenswert, wenn auch fernab vom Thema.)

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Was ist eigentlich mit Dir los, Mann?

Was passiert mir dir, wenn du in die Krise kommst? Wie geht das vor sich? Von heute auf morgen, von 0 auf 100? Päng! Krise da. Oder eher schleichend und unbemerkt und dann bringt irgend etwas Unbedeutendes das Fass zum Überlaufen? Eine Erinnerung an früher – zum Beispiel beim Aufräumen?

Muss man sich das so vorstellen: Du räumst den Schreibtisch auf und findest alte Fotos, eine Platte, Erinnerungen. Du legst die Platte auf und mit den ersten Takten katapultiert dich die Musik zurück in die Zeit, als ein jeder Moment ein neuer, unbekannter war, der einem irgendwohin auf der Welt führen konnte, denn die Welt war eine einzige Reiseroute ohne Grenzen. Freundschaften waren für die Ewigkeit gemacht oder auch nur für einen Sommer. Und die Liebe…die Liebe war pure Verheissung, Herzklopfen, Abenteuer. Eine betörende Frau, mit der man Sex hatte, ein blütenfrisches Wesen, mit dem man etwas erleben konnte, ein unverbrauchtes Gefühl, das einem meistens glücklich machte. Und manchmal todtraurig. Dazwischen nichts. Die Liebe war auf keinen Fall eine Beziehung. Und schon gar keine Routine. Und dann war da noch die Zukunft. Sie war die Einladung zur gigantischsten Party deines Lebens. Und du hattest lebenslang freien Zutritt dazu. 24 Stunden, 365 Tage.

Fühlt es sich so an, wenn du an früher denkst? Und was ist dann schief gelaufen?

Du bist nie hingegangen, an die Party deines Lebens. Du hattest anderes vor. Die Karriere, das Auto, die Beziehung, das Haus. Und dann kam die Zukunft aus der Mode, niemand ging da mehr hin. Alle blieben lieber zu Hause in ihrem selbstgebauten Nest. Bei ihren schwangeren Frauen. Es würde immer wieder eine Party stattfinden, irgendwann, später. Dann kamen die Kinder und mit ihnen die Angst. Die Party war jetzt endgültig vorbei. Für immer. Und Du hattest Verpflichtungen, lebenslang, 24 Stunden, 365 Tage.

Oh je, du hast also das Gefühl, du hättest etwas verpasst. Was machst du jetzt damit?

Wenn du heute in den Spiegel schaust, dann siehst du einen alternden Mann. Irgendetwas ist geschehen in den letzten 25 Jahren, das du nicht kontrollieren konntest. Du siehst Falten und graue Haare und gelbe Zähne. Und dann ist da noch dieser Bauch, der bezeugt, dass essen und trinken zum Sex deines Alters geworden sind. Du fällst einen Entscheid. Du möchtest den Jungen wiedersehen, der immer noch in dir steckt. Es ist noch nicht zu spät! Also trimmst du dich auf jung. Du achtest auf deine Ernährung, trinkst kaum mehr Alkohol und machst Sport. Viel Sport! Es wird gebleached, gefärbt, geschnitten. Die alten Jeans passen wieder, die Lederjacke, das Motorrad – alles noch da, alles im Schuss. Du lässt dir ein Tatoo stechen – das wolltest du schon immer! Es ist ohne jede Bedeutung, aber es sieht gut aus. Du schaust wieder in den Spiegel und was du siehst, ist gar nicht so übel. Das kommt deinem inneren Jungen schon verdammt nahe!

Ist es bis hierhin in etwa so gelaufen? Fehlt noch etwas?

Dann kommt deine Frau herein und stellt sich neben dich. Sie sieht sehr gut aus – für ihr Alter. Getrimmt, gebleached und gefärbt steht sie neben dir und strahlt dich an. Du kennst sie schon eine Ewigkeit und genau so lange liebst du sie schon. Sie ist deine beste Freundin und die Mutter deiner Kinder. Mit ihr wolltest du alt werden. Doch jetzt, da du beschlossen hast, wieder jung zu sein, kannst du sie nicht gebrauchen an deiner Seite. Sie weiss es nämlich. Sie weiss alles. Dass du schon alt bist und dass du einen enormen Aufwand betrieben hast, dies zu vertuschen. Sie weiss, dass du manchmal im Bett weinst, wenn dich die Enttäuschung über dich und dein Leben übermannt. Sie weiss, dass du Schiss hast, vor dem Leben das noch vor dir liegt und dem Tod, der am Ende lauert. Sie weiss, dass du dich klein und unbedeutend und schwach fühlst. Sie weiss, dass du es verkackt hast, dein bisheriges Leben und dass du auch die andere Hälfte, die noch vor dir liegt verkacken wirst, weil du ein Versager bist. Sie weiss wahrscheinlich auch, dass sie ohne dich gut zurecht kommen wird. Sie weiss alles. Und das macht dich wahnsinnig.

Hast Du überhaupt je so weit gedacht oder hast du dich einfach nur elend gefühlt?

Da gibt es diese junge Frau. Sie weiss nichts. Sie findet dich einfach toll. Sie hört dir zu, was auch immer du sagst. Sie gibt dir Raum und Zeit so viel du willst. Alles unverbindlich und Spass und ohne Agenda. Der Sex haut dich um. Die Leidenschaft verzehrt dich. In dir erwacht der Junge zum Leben. Er beginnt zu fühlen wie damals, zu lieben wie damals. Das Leben pulsiert kraftvoll durch deine Adern und nichts ist so real, so richtig und wahr, wie dieses Gefühl. Du verlässt deine Frau, deine Kinder, dein Nest und ziehst zu deinem Jungbrunnen. Sie schmiegt sich an dich wie ein Kätzchen und schnurrt. Und plötzlich stehst du wieder auf der Gästeliste der gigantischen Party und es sieht so aus, als wäre das die zweite Chance für dich, um doch noch daran teilzunehmen. Dass du nur als ihre Begleitung auf der Gästeliste stehst, weil das nämlich ihre Party ist und nicht deine, interessiert dich nicht. Genausowenig wie der Umstand, dass ganz im Verborgenen eine neue Verpflichtung auf dich zukommt, eine Verpflichtung gegenüber dem Kätzchen. Das Kätzchen ist genauer betrachtet eine junge Frau. Mit einem eigenen jungen Leben, in das du hineingetrampelt bist. Die junge Frau hat eigene Träume, eigene Vorstellungen von der grossen Party. Und wenn du sie nicht verlieren willst, wenn du nicht wieder zurück in dein altes, verkacktes Leben möchtest, solltest du besorgt sein, dass sich ihre Wünsche erfüllen. Eine Karriere, ein Heim, eine Familie vielleicht? Zurück zum Start.

Fühlst du dich jetzt besser oder schlechter als vorher oder einfach nur anders?

Wenn nach der Party der Kater einsetzt und dir alle deine alten Knochen im Leib schmerzen, wenn du deine beste Freundin vermisst, die jetzt genau wüsste, wie du dich fühlst, die genau wüsste, was zu tun und zu sagen wäre, damit es dir wieder besser geht, wenn das Kätzchen neben dir zu kratzen beginnt, weil du nicht mehr magst, nicht mehr kannst, nicht mehr willst, dann könnte es sein, dass auch deine beste Freundin nicht mehr mag, nicht mehr kann und nicht mehr will, weil sie nämlich gelernt hat, sehr gut ohne dich zurecht zu kommen. Weil du ihr nichts zu bieten hast ausser Scherben. Und weil auch sie ein eigenes Leben und eine eigene Party zu feiern hat. Und genau in diesem Augenblick wird dir bewusst, dass du dein Leben wirklich verkackt hast. Nur hast du jetzt kaum mehr eine Wahl. Die Welt war noch nie so klein für dich. Wie du dich auch entscheidest – du bleibst alleine.

Aber aus Schlechtem geht auch oft Gutes hervor.

Vielleicht ist das ja die Chance, dich endlich mal mit dir selber zu beschäftigen. Deine Krisen und Zwänge bei dir selber zu suchen und deine Ängste anzugehen. Vielleicht wird so aus dir ja mal noch ein prächtiger älterer Herr, ein echter Freund und liebevoller Partner. Jemand, den man gerne an seiner Seite haben will, den man sogar wieder zurücknehmen will. Wer weiss.

Ich denke an meine Freundinnen, an Bekannte und Verwandte, die mir ihre Geschichten erzählt haben. Ich denke an mich, die ich glücklich verheiratet bin mit einem lieben Mann, so wie es die Freundinnen, Bekannte und Verwandte auch gewesen sind. Und mich packt die kalte Angst. Es kann jeder Frau zu jedem Zeitpunkt passieren, dass sie ein Opfer der Midlifecrisis ihres Mannes wird. Wir können nichts dafür oder dagegen machen, denn es hat im Grunde nichts mit uns zu tun, ausser dass wir die Leidtragenden sind.

Man sollte euch die Kommentarspalten wegnehmen!

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„Das hätte sie sich besser vorher überlegt!“

Die #regrettingmotherhood-Bewegung wurde in sämtlichen Medien breit diskutiert und die Beiträge heftigst kommentiert. Eigentlich habe ich mir den Vorsatz genommen, keine Kommentare mehr zu lesen, es sei denn, sie betreffen meine eigenen Artikel. Da das Thema #regrettingmotherhood aber mich selber betrifft, habe ich meinen Vorsatz gebrochen und die Kommentare zu den verschiedenen Beiträgen gelesen. Ein Fehler.

Das Kommentieren wird einem sehr einfach gemacht: ein Name und eine email-Adresse eingeben, und schon ist man dabei. Die Daten werden nicht überprüft. So kann jeder unter einem Pseudonym und mit falscher email-Adresse kommentieren – was die meisten auch tun. Und anonym lässt es sich besonders gut Dampf ablassen. Bei einem stark polarisierenden Thema wie #regrettingmotherhood, wo sich Frauen getrauen zu sagen, dass sie es bereuen, Mutter geworden zu sein, gehen die Emotionen ungebremst hoch. Ein riesiger Haufen Wut, Scham, Angst und Verunsicherung prallt mit aller Wucht auf jene, die sich in Empathie üben. Da wird beleidigt, verflucht und beschimpft. Hier ein paar der harmloseren Kommentare, die im Zusammenhang mit Artikeln über unzufriedene Müttern besonders oft fallen und an Dummheit kaum zu überbieten sind:

„Diesen Müttern sollte man die Kinder wegnehmen“.

Im Prinzip gut durchdacht! So wäre den Müttern und den Kindern geholfen! Auch die Väter hätten sicher nichts dagegen, wenn die Kinder wegkommen, wieso auch? Die Logistik macht hier allerdings Probleme: abholen, zwischenlagern, weitergeben. Leider ist die KESB im Moment gerade mit anderen Problemen ausgelastet. Und der Staat ist immer noch mit Reparationszahlungen an die ehemaligen Verdingkinder beschäftigt, weshalb er es mit der Schaffung eines neuen Falles im Moment grad nicht so eilig haben wird.

„Es gibt genügend Frauen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als Kinder zu haben und keine bekommen können.“

Was für eine raffinierte Verknüpfung zweier verschiedener Bereiche zum Thema Muttersein! Und die Lösung liegt auf der Hand: Die eine will und kann nicht, die andere hat und will nicht – also rüber mit den Kindern! Sieht nach einer win-win Situation aus, doch auch hier könnte es an der Umsetzung hapern. Pragmatische Lösungen sind gefragt. Zum Beispiel die Schaffung einer online-Vermittlung: ebaby. Darauf könnte ein Vermittlungsantrag so aussehen: „Wegen regretting motherhood abzugeben an unfruchtbare Frau: 2 Kinder, vintage Jahrgänge, top Zustand, geliebt, geimpft und entwurmt.“

„Wieso haben diese Frauen überhaupt Kinder gemacht?“

Das ist jetzt einfach. Weil Angela und Babs und Corinne auch Kinder haben und total glücklich sind damit, auch wenn sie jetzt wieder rauchen. Weil alles eine Frage der Organisation ist. Und des Geldes. Weil es zwar anstrengend ist, aber das Grösste in einem Frauenleben. Vergleichbar mit der RS bei den Männern, nur 18 Jahre länger. Weil sich jede normale Frau Kinder wünscht. Dafür ist nämlich die Gebärmutter da. Weil das Leben immer hält, was es verspricht. Und sonst kommt es dann schon gut, irgendwann. Weil Lebenspläne immer aufgehen, wenn man sie nur schön genug zeichnet. Und nicht zuletzt: weil Sex geil ist und abtreiben scheisse.

„In diesem Fall wäre lügen besser. Wie wird es diesen Kindern wohl gehen, wenn sie einmal davon erfahren…!“

Offenbar ist Kinder anlügen eine höhere Tugend, als offen zu seinen Gefühlen zu stehen. Und da Kinder dumm und gefühllos sind, werden sie auch nicht merken, dass ihnen ihre Mutter jahrelang etwas vorspielt. Hauptsache sie müssen sich nie mit der unangenehmen Wahrheit auseinandersetzen, dass ihre Mutter sie zwar geliebt hat, aber Mühe mit dem Muttersein hatte. So wird das Bild der hingebungsvollen Mutter nicht beschädigt und die Kinder können dieses edle Gut zusammen mit dem diffusen Gefühl, dass irgendetwas in ihrer Familie nicht gestimmt hat, ihren eigenen Kinder weitergeben.

„ … Wir (Männer) müssen jeden Tag von früh bis spät ins Büro arbeiten, um die Familie zu ernähren. Das ist auch nicht immer lustig! … Und dafür erhalten wir keine Liebe!“

Nun ja, mit Geld abgespiesen zu werden, kann einem schon gehörig zusetzen. Aber in diesem Fall muss ich sagen: Solchen regretting Businessmen sollte man den Job wegnehmen. Oder besser noch, man sollte solchen Männern den Lohn wegnehmen. Und sie dann für die nächsten 18 Jahre für einen unbezahlten Job ohne Aufstiegsmöglichkeiten verpflichtet – DAS ist nicht lustig!

Weshalb deine Mutter nie deine beste Freundin sein kann

Eine total subjektive und unvollständige Liste:

  • Mit deiner Mutter über die körperlichen Zeichen des Älterwerdens zu jammern, ist in etwa das gleiche, wie mit einem Tetraplegiker über Muskelkater zu reden: es ist gemein. Steht sie jedoch über der Tatsache, dass Schönheit in ihrem Alter grösstenteils von innen kommt, wird sie sich vollkommen ehrlich über deine Cellulite, deine Falten und deine hängenden Brüste äussern. Das kommt dann hammermässig fies und eifersüchtig rüber.
  • Du wirst im besten Fall nur einmal mit deiner Mutter über Sex reden können: bei der Aufklärung. Nie wirst du ihr kichernd über den krummen Riesenpenis von letzter Nacht berichten können. Nie von den peinlichsten Momenten und den wildesten Fantasien. Sie will das nicht hören. Genauso wie du nicht wissen willst, wie sich dein Vater im Bett anstellt oder mit wem er gerade betrogen wird.
  • Deine Mutter ist lieber mit Frauen ihres Alters, ihrer Reife und ihres Interessenkreises eng befreundet, als mit dir.
  • Deine Mutter wird Zeit ihres Lebens versuchen, dich zu erziehen. Wenn du also Scheisse baust, wird sie dich tadeln. Wenn du irgend etwas Unwichtiges gut gemacht hast, wird sie unglaublich stolz auf dich sein. Eine angemessene Reaktion auf dein Handeln kannst du vergessen.
  • Wenn du ein Arschloch heiratest, verlierst du auf einen Schlag alle deine besten Freundinnen. Deine Mutter wird bleiben.
  • Wenn du deiner Mutter stundenlang von deinen Beziehungsproblemen vorjammerst, um ein bisschen abzuladen, wird sie dich beschützen wollen und dem Mann/der Frau einen Schlägertrupp hinterherschicken. Ausserdem wird sie ihm/ihr nie verzeihen, auch wenn du schon lange nicht mehr weißt, worum es eigentlich gegangen ist.
  • Deine Mutter hat als einzige das Recht, dich zu verprügeln, wenn du des Mordes angeklagt wirst. Das enthebt sie dem Status der Freundin. Sie wird jedoch deinen Unschuldsbeteuerungen glauben, auch wenn sie noch so absurd sind. Deine Mutter wird dich trotz allem im Gefängnis besuchen kommen. Als einzige.
  • Wenn es dir einmal so richtig dreckig geht, weil du alles falsch gemacht hast, alles verbockt, alles verloren, dann öffnet dir nur noch deine Mutter die Türe. Nicht weil sie deine Freundin ist und dich versteht, sondern weil sie als Mutter nicht anders kann.
  • Deine Mutter wird immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen dir gegenüber haben, das gibt’s gratis bei der Geburt zusammen mit der Liebe. Instinktiv weisst du das und nützt es auch aus.
  • Deine Mutter ist deine Mutter ist deine Mutter ist deine Mutter (frei nach Gertrude Stein)

 

 

Ein Besuch im Märchenhotel in Braunwald kann sich lohnen. Wenn man starke Nerven hat und auf Grenzerfahrungen aus ist.

aquariumlift

Der Aquariumlift – eine nette Idee, für die, die sich unter Wasser und in kleinen, geschlossenen Räumen wohl fühlen. Bildquelle: http://www.maerchenhotel.ch

„Ferien wie im Märchen“ – was soll man darunter verstehen? Den ganzen Tag schuften und hungern, im Wald ausgesetzt werden und von kannibalischen Hexen in einem Käfig gemästet werden? Nicht ganz meine Vorstellung von entspannten Ferien. Was man sich hingegen unter einem Aufenthalt im 4-Sterne-Märchenhotel in Braunwald vorstellen kann, habe ich unterdessen herausgefunden. Auch nicht ganz meine Vorstellung von einem entspannten Aufenthalt.

Ich habe für mich und meine zwei Mädchen im Alter von 5 und 7 Jahren ein Familienzimmer mit Halbpension für CHF 350.– /Nacht gebucht. Im Preis inbegriffen sind diverse Aktivitäten für die Kinder und ein über 9 Stunden betreuter Kindergarten. Ausserdem stehen ein Gameraum, ein Kletter-Hüpfzimmer, eine stockwerkübergreifende Indoor-Rutschbahn, überhaupt überall Rutschbahnen, Spielplatz mit Tieren, Kletterwände, Innen- und Aussenpool und und und zur freien Verfügung. Den Namen „Märchenhotel“ hat sich das Hotel zugelegt, weil jeden Abend um 18 Uhr ein Märchen erzählt wird. Für Kinder wird hier alles getan, Erwachsene werden freundlich behandelt.

Die Idee, sich hier als Erwachsener eine schöne Zeit zu machen, während die Kinder sich irgendwo im Hotel austoben, scheint naheliegend, geht allerdings nur teilweise auf. Bereits zur Begrüssung erhielten die Kinder ein Glas Sirup und ich den Zimmerschlüssel mit einem riesigen Zwerg als Schlüsselanhänger und einen gespritzten (!) Prosecco. Der Weg zu unserem Zimmer führte am vollbesetzten Kinderwagenparkplatz vorbei zum Aquarium-Lift. Ein Lift, der umgeben von Aquarien mit darin lebenden Fischen ist und somit meine schlimmsten Phobien bedient: Unter Wasser zu sein UND in einem kleinen geschlossenen Raum ohne Fenster. Den Kindern zu liebe habe ich mich trotzdem überwunden und bin damit gefahren. Die erste Grenzerfahrung. Zum guten Glück war der Lift am Ende des Tages defekt.

Zimmer und Bad waren geräumig und gut ausstaffiert mit Bademänteln, FlipFlop für die Kinder, Badelatschen, grosser TV, Minibar. Dem Innendekorateur oder der Innendekorateuse sollte allerdings ein Weilchen immer aufs gleiche Auge gehauen werden zur Strafe für grausames Design. Meine Mädels fandens schön. Sie waren bereits ziemlich aufgedreht, warfen glucksend ihre Sachen in eine Ecke und rannten los, um das Hotel zu erkunden. Ich seufzte erst mal laut und warf einen Blick in die Minibar. Die war bis oben hin aufgefüllt mit Wasser und Süssgetränken, aber ein Bier suchte man darin vergebens. Also runter ins Hotel. Dort traf mich der grosse Schock. Kinder überall. Rennend, kriechend, hüpfend und vor allem: schreiend. In der Luft hing das säuerliche Parfüm von Sabber, jugendlichem Fussschweiss und Kinderfurz. Die wogende Menge wurde durch aufpassende Elternposten an den Rändern zusammengehalten, die mit Märtyrermiene Befehle schrien, die niemand hörte. Irgendwann konnte ich in der Hüpfburg meine eigenen Kinder ausmachen, die mit hochroten Köpfen auf- und abhüpften als könnten sie nicht anders. Sie schienen glücklich.

Ich war es weniger beim Betreten der Bar. Einem trostloseren Ort bin ich selten begegnet. Der Warteraum des Bahnhofs Forch ist ein kuschliger Servicetempel im Vergleich zu der personalfreien Kaltzone, die durch überlaute Radiobeschallung die Illusion von menschlicher Anwesenheit zu simulieren suchte. Sogleich wurde ich zur Abstinenzlerin. Hielt aber nicht lange.

Dann kam das Erlebnisbad mit Tarzankletterparcour und 20 Meter langer Rutsche dran. Das Wasser war wohltemperiert bei 32 – 34 Grad, alles neu renoviert und sauber – hier gab es nichts auszusetzten. Ausser bei der Rutsche, deren defekte Ampel immer auf rot stand, was in Kinderlogik übersetzt bedeutete: immer grün. Wer sich keine Beule bei der Massenkollision holte, stiess sich den Kopf während der rasanten Fahrt an der Röhre. Die Fliegengewichte wurden herumgeschleudert wie Segelbötchen im Sturm und die Schwergewichte holten sich einen brennenden Hintern. Für mich und meine Phobien bedeutete die Fahrt durch die dunkle Röhre mit fliessendem Wasser drin und Feuer am Hintern die nächste Grenzerfahrung. Für ältere Kinder ohne Phobien ist die Rutsche jedoch sicherlich ein grosser Spass.

Das Märchen um 18 Uhr wirkte wie Ritalin auf die Kinder. Um 18.15 fand das Kindernachtessen in einem separaten Kinderesssaal statt. Das sollte dazu dienen, dass die Eltern später ungestört dinieren konnten. Leider funktionierte das nur bedingt und Kindergeschrei begleitete auch das Nachtessen. Das 6-Gang-Menue, das von 18.45 bis 20.00 (!) aufgetragen wurde, war durchschnittlich bis gut. Da ich ganz alleine speiste und das auch noch in aller Ruhe tun wollte, fiel ich durch die Maschen des Hotelkonzeptes. Gleichzeitig mit dem Glas Champagner, das ich mir als Apero bestellt hatte, wollte man mir in Windeseile das ganze Nachtessen auftischen. Man war sich hier Herunterschlingen gewohnt. Die Aufforderung, angemessene Kleidung im Esssaal zu tragen, wurde nur von einer Person befolgt – von der einsamen Champagnertrinkerin in der hintersten Ecke. So stöckelte ich dann aufgehübscht zwischen resigniert gekleideten Adilettenträgern und verschmierten Kleinkindern zum Salatbuffet und war mir plötzlich bewusst, dass ich in punkto Erziehung wohl doch das eine oder andere richtig gemacht hatte. Leider hielt dieses Bewusstsein nicht sehr lange.

Im Anschluss an das Kindernachtessen begann das Kinderkino. Leider sind meine Kinder nicht sehr hart im Nehmen, was die Pädagogik von Disney Filmen anbelangt, weshalb ich sie nach einer Stunde aus dem Kinderkino evakuieren musste, weil der Horror sie übermannt hatte. Mein Nachtessen war damit beendet und wir gingen aufs Zimmer. Vor 23 Uhr schlief jedoch niemand, weil die Eindrücke einfach zu stark waren. Am nächsten Morgen waren wir alle drei unausgeschlafen und schlecht gelaunt. So schlecht gelaunt, dass ich das Morgenessen mit der künstlichen Kuh, aus deren Euter man Milch rauslassen konnte, besser nicht mehr beschreibe.

Fazit: Das Märchenhotel in Braunwald ist für die Kleinen das Grösste. Eine echte Alternative stellt allerdings ein Besuch im Alpamare dar. Schont Budget und Nerven und passt ganz ins Konzept „Spass für die ganze Familie“.

 

Fährt der Tod im Märlitram?

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Bildquelle: Christopher Swerin, http://www.swerin.com

Jeden Tag sterben tausende von Menschen an ebenso vielen verschiedenen Todesursachen. So ist das Leben – es endet mit dem Tod. Doch geht es um unseren eigenen Tod oder den eines geliebten Menschen, sind wir weniger pragmatisch. Kann man sich auf den Tod vorbereiten? Und wie soll das gehen?

Ich dachte immer, ich hätte mich genügend auf den Tod vorbereitet, indem ich mir die blödeste Todesursache ausdachte, an der ich sterben könnte: vom Märlitram überfahren werden. Ein guter Freund hat mir letzthin eine neue, blödeste Todesursache geschenkt: von einem Regal, vollgestopft mit Kartons, die wiederum vollgestopft mit Familienfotos sind, zermalmt und verschüttet werden.

Nun haben mir aber liebe Menschen nahegelegt, mich endlich einmal ernsthaft mit dem Thema zu befassen. Obwohl ich gesund bin und in der Mitte meines Lebens stehe, macht das durchaus Sinn. Schliesslich verhält es sich mit dem Tod wie mit dem indischen Zugverkehr: es kommt immer ein Zug, aber man weiss nie genau wann. Deshalb ist es wichtig, dass wir wenigstens gut vorbereitet sind, wenn die Reise losgeht. In dieser Hinsicht sind wir Schweizer ziemlich rückständig. Wir pendeln ein bisschen zwischen Himmel und Hölle und wünschen uns dann doch die Wiedergeburt, in der Hoffnung, dass wir wieder unseren alten Job kriegen. Ein Jihadist zum Beispiel hat schon lange sein Bett im Paradies gemacht. Er ist sogar Herr seines eigenen Todes. Und sobald er diesen eigenhändig herbeigeführt hat, füllt sich sein paradiesisches Bett mit hunderten von Jungfrauen. Das nenne ich eine gründliche Todesvorbereitung! Aus diesem Grund habe ich einen Todesvorbereitungskurs besucht. In unseren Hemnisphären ist das eine völlig gewalt- und hirnwäschefreie Angelegenheit. Der Kurs ähnelt ein bisschen dem katholischen Ehevorbereitungskurs, den ich allerdings nur vom Hörensagen kenne. Es wird viel geredet und geweint, und manchmal kommt ein Tambourin zum Einsatz.

Hier meine Eindrücke zum Todesvorbereitungskurs:

Zur Einleitung wurde über Religion und Gott gesprochen, da aber zu viele verschiedene Gottheiten vertreten waren, ging man schnell zu allgemeingültigen Lebensweisheiten über. Um die Weisheiten zu vertiefen und zu verinnerlichen, wurden Gruppen gebildet. Da gab es zum Beispiel die Gruppe mit der Lebensweisheit: „Lebe jeden Tag so, als wäre es der Letzte“. Meiner Meinung nach ein selten doofer Spruch. Wie soll man sich das vorstellen? Jeden Tag in dem Bewusstsein aufwachen, dass dies der letzte Tag ist, den ganzen Tag heulen, verzweifelten Sex haben, der „das letzte Mal“ genauso wenig Spass macht, wie „das erste Mal“, sich von den Liebsten für immer verabschieden, geschmacklose Luxusgüter kaufen und sie in den See werfen, der Völlerei frönen, ein paar Flaschen Château Petrûs trinken um dann besoffen und starr vor Angst der Mitternacht entgegensehen. Und das jeden Tag immer und immer wieder? Mein Budget wäre schon nach einem Tag aufgebraucht, ganz zu schweigen von den Nerven meiner Liebsten. Da lebe ich doch lieber jeden Tag so, als gäbe es noch einen nächsten. Deshalb liess ich mich in die „Das Glas ist halb voll/halb leer“– Gruppe einteilen. Diese Weisheit war mir auf Anhieb sympathisch: egal, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, es hat auf jeden Fall noch Platz darin für mehr Wein!

Dann kam die Bucket List dran. Die Liste, die all das beinhaltet, was man vor dem Tod unbedingt noch gemacht haben will. Für mich war das eine prima Gelegenheit, den Château Petrûs unterzubringen. Und ein Fläschchen Château Margaux. Und noch ein Kistchen von dem Meursault, den wir an der Hochzeit getrunken hatten, Bier haben wir auch keines mehr, Milch sollten wir noch haben, vielleicht noch ein paar Tomaten, frisches Brot…

Der letzte Teil beinhaltete viel Trauerarbeit, die zum Ziel hatte, sich schon jetzt emotional vom Leben zu verabschieden, damit man besser loslassen konnte, wenn es dann tatsächlich soweit wäre. Es wurde viel geweint und gehadert. Um diesen Prozess abzuschliessen, musste man ihn auch noch physisch durchleben. Als erstes sollten wir all unsere irdischen, materiellen Güter ablegen und Wertsachen verschenken – idealerweise der Kursleitung. Dann sollten wir in Unterwäsche und rückwärts durch eine Röhre robben, was die Umkehr des Weges durch den Geburtskanal symbolisieren sollte. Da die Röhre jedoch hellblau und von Ikea war, und am Ende der Röhre weder eine Gebärmutter noch ein warmes Licht auf uns wartete, ging die Sache für mich nicht auf. Ausserdem trug ich ausgeleierte Unterwäsche mit dem Werbeslogan „fit for fun“ drauf. Deshalb verliess ich den Kurs vorzeitig und pfiff auf das Todesvorbereitungskurs-Zertifikat. Zu Hause genehmigte ich mir ein Bier und schaute mit meinen Kindern auf dem Sofa KiKa. Wahrscheinlich die effektivere Art der Todesvorbereitung.

An die lieben Menschen, die mir nahegelegt haben, mich mit dem Tod zu befassen: Der Tod kommt sowieso, ob wir darauf vorbereitet sind oder nicht. Bis es soweit ist:

Always Look on the Bright Side of Life

http://www.youtube.com/watch?v=WlBiLNN1NhQ

Aus „Life Of Brian“ von Monty Python

 

Die 10 wichtigsten Regeln für den erfolgreichen Seitensprung.

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Denn am Anfang ist alles schön und leicht…

Männer gehen fremd. Aus verschiedenen Gründen. (Frauen auch, aber ich möchte mich hier aussschliesslich den Männern widmen). Meistens geht es dabei um ein „anderes“ Gefühl. Eines, das man in der aktuellen Beziehung nicht abrufen kann ohne selber über die Bücher gehen zu müssen. Oder man hat es im Laufe der Jahre verloren und weiss nicht mehr wo. Vielleicht kann man gar nicht genau sagen, was es ist, das einem fehlt. Ist es das Gefühl, wahrgenommen und begehrt zu werden, das Gefühl, geschätzt und gebraucht zu werden oder einfach das Gefühl, wiedermal verliebt zu sein? Egal. Die Leere muss gefüllt werden. Sei es durch junge Haut und pralle Möpse oder einfach durch einen anderen Menschen, der sich wunderbarerweise für einem interessiert, der zuhört und beim Orgasmus schreit. In den seltensten Fällen geht es nur um Sex. Und irgendwann geht es sogar plötzlich um Liebe, obwohl man das so gar nicht geplant hatte. Das ist dann genau der richtige Augenblick, um das Weite zu suchen. Denn um was es bei einem Seitensprung nie gehen darf, AUF GAR KEINEN FALL, ist, das alte Leben hinzuschmeissen, um ein neues Leben mit der „anderen“ Frau zu beginnen, die sich nach ein paar Monaten Zusammenleben als nicht genügend „anders“ entpuppt, um die wiederkehrende Leere zu füllen. Zu der inneren Leere gesellt sich dann auch noch die materielle Leere, weil man für den gefühlten Rest des Lebens Alimente zahlen muss für die Kinder, die man nicht mehr aufwachsen sieht und die Ex-Frau, die es sich zusammen mit den Kindern im eigenen Haus gemütlich gemacht hat, während man selber in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung schmort, da es nach Abzug der Anwaltskosten und Alimente für mehr nicht mehr reicht. Nein, so weit darf es bei einem Seitensprung auf keinen Fall kommen, da sind wir uns einig. Und trotzdem führt er oft genau dorthin. Das kann jedoch vermieden werden, indem man die folgenden 10 Regeln befolgt:

  1. Akquisation: Im nächsten Umfeld der eigenen Frau suchen. Die Schwester, die beste Freundin, die Mutter. Je näher desto besser. Darauf kommt sie nie. Zweite Wahl ist jemand, der in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem steht: Die Nanny, die Assistentin, eine Schülerin. Abhängigkeit schafft Verschwiegenheit.
  2. Budget: Nach jedem Treffen mit der „anderen“ Frau eine Aufmerksamkeit für die Ehefrau mit nach Hause bringen. Blumen, Parfum, Schmuck. Nicht knausern! Das liefert die Erklärung für die enormen Ausgaben der letzten Zeit.
  3. Location: Für Treffen mit der Geliebten im selben Hotel oder Restaurant buchen, in dem man auch mit der Ehefrau öfter gesehen wird. Das erleichtert die private Spesenabrechnung und man kann sich zur Not mit Verwechslung rausreden.
  4. Sicherheit: Auf keinen Fall Kondome verwenden beim Fremdgehen. Findet die Ehefrau die Dinger – was sehr schnell passieren kann – ist man geliefert.
  5. Gesundheit: Keinen Geschlechtsverkehr mit der eigenen Frau während die Affäre läuft, besser noch eine 2 monatige Karenzfrist nach dem Schlussmachen einhalten. Fängt man sich was ein und steckt sie an, kommt alles aus. Zu Hause Impotenz vortäuschen, damit kommt man lange durch und es erklärt auch „andere“ Unstimmigkeiten.
  6. Infrastruktur: Mobile und Computer weiterhin herumliegen lassen. Es würde auffallen, wenn man plötzlich alles wegräumte. Ausserdem kennt sich die Ehefrau sowieso nicht aus in der Bedienung von technischen Geräten.
  7. Transparenz: So viele Freunde wie möglich über die Affäre informieren. Transparenz schafft Vertrauen und Goodwill.
  8. Kommunikation: Ist die Affäre unbemerkt zu Ende gegangen und plagt einem das schlechte Gewissen: sofort alles beichten! Dabei kein Detail auslassen. Ist die Ehefrau nicht begeistert über Ehrlichkeit und Offenheit, die Schuld der Ehefrau geben, indem man sie fett, kalt und frustriert nennt.
  9. Politik: Kommt die Sache raus, rigoros alles abstreiten. Bestehen Beweise, die Schuld der Ehefrau geben, indem man sie fett, kalt und frustriert nennt.
  10. Konkurs: Lenkt sie nicht ein und will die Scheidung, weinen, winseln und flehen. Zwischendurch unbedingt die Konten sperren lassen und den Job künden.

Sollte hier ein geschätzter Leser mit dem Vorhaben „Fremdgehen“ liebäugeln, täte er gut daran sich vorher zu überlegen, ob er zur Einhaltung dieser 10 Regeln fähig ist. Falls nicht, sollte er es besser bleiben lassen. Denn am Anfang ist alles schön und leicht, doch am Ende einer jeden Geschichte steht immer der Schluss. Und nichts wird jemals wieder so sein, wie es vorher war.

PS: Therapeuten sind übrigens günstiger als Anwälte.