Weshalb deine Mutter nie deine beste Freundin sein kann

Eine total subjektive und unvollständige Liste:

  • Mit deiner Mutter über die körperlichen Zeichen des Älterwerdens zu jammern, ist in etwa das gleiche, wie mit einem Tetraplegiker über Muskelkater zu reden: es ist gemein. Steht sie jedoch über der Tatsache, dass Schönheit in ihrem Alter grösstenteils von innen kommt, wird sie sich vollkommen ehrlich über deine Cellulite, deine Falten und deine hängenden Brüste äussern. Das kommt dann hammermässig fies und eifersüchtig rüber.
  • Du wirst im besten Fall nur einmal mit deiner Mutter über Sex reden können: bei der Aufklärung. Nie wirst du ihr kichernd über den krummen Riesenpenis von letzter Nacht berichten können. Nie von den peinlichsten Momenten und den wildesten Fantasien. Sie will das nicht hören. Genauso wie du nicht wissen willst, wie sich dein Vater im Bett anstellt oder mit wem er gerade betrogen wird.
  • Deine Mutter ist lieber mit Frauen ihres Alters, ihrer Reife und ihres Interessenkreises eng befreundet, als mit dir.
  • Deine Mutter wird Zeit ihres Lebens versuchen, dich zu erziehen. Wenn du also Scheisse baust, wird sie dich tadeln. Wenn du irgend etwas Unwichtiges gut gemacht hast, wird sie unglaublich stolz auf dich sein. Eine angemessene Reaktion auf dein Handeln kannst du vergessen.
  • Wenn du ein Arschloch heiratest, verlierst du auf einen Schlag alle deine besten Freundinnen. Deine Mutter wird bleiben.
  • Wenn du deiner Mutter stundenlang von deinen Beziehungsproblemen vorjammerst, um ein bisschen abzuladen, wird sie dich beschützen wollen und dem Mann/der Frau einen Schlägertrupp hinterherschicken. Ausserdem wird sie ihm/ihr nie verzeihen, auch wenn du schon lange nicht mehr weißt, worum es eigentlich gegangen ist.
  • Deine Mutter hat als einzige das Recht, dich zu verprügeln, wenn du des Mordes angeklagt wirst. Das enthebt sie dem Status der Freundin. Sie wird jedoch deinen Unschuldsbeteuerungen glauben, auch wenn sie noch so absurd sind. Deine Mutter wird dich trotz allem im Gefängnis besuchen kommen. Als einzige.
  • Wenn es dir einmal so richtig dreckig geht, weil du alles falsch gemacht hast, alles verbockt, alles verloren, dann öffnet dir nur noch deine Mutter die Türe. Nicht weil sie deine Freundin ist und dich versteht, sondern weil sie als Mutter nicht anders kann.
  • Deine Mutter wird immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen dir gegenüber haben, das gibt’s gratis bei der Geburt zusammen mit der Liebe. Instinktiv weisst du das und nützt es auch aus.
  • Deine Mutter ist deine Mutter ist deine Mutter ist deine Mutter (frei nach Gertrude Stein)

 

 

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Ein Besuch im Märchenhotel in Braunwald kann sich lohnen. Wenn man starke Nerven hat und auf Grenzerfahrungen aus ist.

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Der Aquariumlift – eine nette Idee, für die, die sich unter Wasser und in kleinen, geschlossenen Räumen wohl fühlen. Bildquelle: http://www.maerchenhotel.ch

„Ferien wie im Märchen“ – was soll man darunter verstehen? Den ganzen Tag schuften und hungern, im Wald ausgesetzt werden und von kannibalischen Hexen in einem Käfig gemästet werden? Nicht ganz meine Vorstellung von entspannten Ferien. Was man sich hingegen unter einem Aufenthalt im 4-Sterne-Märchenhotel in Braunwald vorstellen kann, habe ich unterdessen herausgefunden. Auch nicht ganz meine Vorstellung von einem entspannten Aufenthalt.

Ich habe für mich und meine zwei Mädchen im Alter von 5 und 7 Jahren ein Familienzimmer mit Halbpension für CHF 350.– /Nacht gebucht. Im Preis inbegriffen sind diverse Aktivitäten für die Kinder und ein über 9 Stunden betreuter Kindergarten. Ausserdem stehen ein Gameraum, ein Kletter-Hüpfzimmer, eine stockwerkübergreifende Indoor-Rutschbahn, überhaupt überall Rutschbahnen, Spielplatz mit Tieren, Kletterwände, Innen- und Aussenpool und und und zur freien Verfügung. Den Namen „Märchenhotel“ hat sich das Hotel zugelegt, weil jeden Abend um 18 Uhr ein Märchen erzählt wird. Für Kinder wird hier alles getan, Erwachsene werden freundlich behandelt.

Die Idee, sich hier als Erwachsener eine schöne Zeit zu machen, während die Kinder sich irgendwo im Hotel austoben, scheint naheliegend, geht allerdings nur teilweise auf. Bereits zur Begrüssung erhielten die Kinder ein Glas Sirup und ich den Zimmerschlüssel mit einem riesigen Zwerg als Schlüsselanhänger und einen gespritzten (!) Prosecco. Der Weg zu unserem Zimmer führte am vollbesetzten Kinderwagenparkplatz vorbei zum Aquarium-Lift. Ein Lift, der umgeben von Aquarien mit darin lebenden Fischen ist und somit meine schlimmsten Phobien bedient: Unter Wasser zu sein UND in einem kleinen geschlossenen Raum ohne Fenster. Den Kindern zu liebe habe ich mich trotzdem überwunden und bin damit gefahren. Die erste Grenzerfahrung. Zum guten Glück war der Lift am Ende des Tages defekt.

Zimmer und Bad waren geräumig und gut ausstaffiert mit Bademänteln, FlipFlop für die Kinder, Badelatschen, grosser TV, Minibar. Dem Innendekorateur oder der Innendekorateuse sollte allerdings ein Weilchen immer aufs gleiche Auge gehauen werden zur Strafe für grausames Design. Meine Mädels fandens schön. Sie waren bereits ziemlich aufgedreht, warfen glucksend ihre Sachen in eine Ecke und rannten los, um das Hotel zu erkunden. Ich seufzte erst mal laut und warf einen Blick in die Minibar. Die war bis oben hin aufgefüllt mit Wasser und Süssgetränken, aber ein Bier suchte man darin vergebens. Also runter ins Hotel. Dort traf mich der grosse Schock. Kinder überall. Rennend, kriechend, hüpfend und vor allem: schreiend. In der Luft hing das säuerliche Parfüm von Sabber, jugendlichem Fussschweiss und Kinderfurz. Die wogende Menge wurde durch aufpassende Elternposten an den Rändern zusammengehalten, die mit Märtyrermiene Befehle schrien, die niemand hörte. Irgendwann konnte ich in der Hüpfburg meine eigenen Kinder ausmachen, die mit hochroten Köpfen auf- und abhüpften als könnten sie nicht anders. Sie schienen glücklich.

Ich war es weniger beim Betreten der Bar. Einem trostloseren Ort bin ich selten begegnet. Der Warteraum des Bahnhofs Forch ist ein kuschliger Servicetempel im Vergleich zu der personalfreien Kaltzone, die durch überlaute Radiobeschallung die Illusion von menschlicher Anwesenheit zu simulieren suchte. Sogleich wurde ich zur Abstinenzlerin. Hielt aber nicht lange.

Dann kam das Erlebnisbad mit Tarzankletterparcour und 20 Meter langer Rutsche dran. Das Wasser war wohltemperiert bei 32 – 34 Grad, alles neu renoviert und sauber – hier gab es nichts auszusetzten. Ausser bei der Rutsche, deren defekte Ampel immer auf rot stand, was in Kinderlogik übersetzt bedeutete: immer grün. Wer sich keine Beule bei der Massenkollision holte, stiess sich den Kopf während der rasanten Fahrt an der Röhre. Die Fliegengewichte wurden herumgeschleudert wie Segelbötchen im Sturm und die Schwergewichte holten sich einen brennenden Hintern. Für mich und meine Phobien bedeutete die Fahrt durch die dunkle Röhre mit fliessendem Wasser drin und Feuer am Hintern die nächste Grenzerfahrung. Für ältere Kinder ohne Phobien ist die Rutsche jedoch sicherlich ein grosser Spass.

Das Märchen um 18 Uhr wirkte wie Ritalin auf die Kinder. Um 18.15 fand das Kindernachtessen in einem separaten Kinderesssaal statt. Das sollte dazu dienen, dass die Eltern später ungestört dinieren konnten. Leider funktionierte das nur bedingt und Kindergeschrei begleitete auch das Nachtessen. Das 6-Gang-Menue, das von 18.45 bis 20.00 (!) aufgetragen wurde, war durchschnittlich bis gut. Da ich ganz alleine speiste und das auch noch in aller Ruhe tun wollte, fiel ich durch die Maschen des Hotelkonzeptes. Gleichzeitig mit dem Glas Champagner, das ich mir als Apero bestellt hatte, wollte man mir in Windeseile das ganze Nachtessen auftischen. Man war sich hier Herunterschlingen gewohnt. Die Aufforderung, angemessene Kleidung im Esssaal zu tragen, wurde nur von einer Person befolgt – von der einsamen Champagnertrinkerin in der hintersten Ecke. So stöckelte ich dann aufgehübscht zwischen resigniert gekleideten Adilettenträgern und verschmierten Kleinkindern zum Salatbuffet und war mir plötzlich bewusst, dass ich in punkto Erziehung wohl doch das eine oder andere richtig gemacht hatte. Leider hielt dieses Bewusstsein nicht sehr lange.

Im Anschluss an das Kindernachtessen begann das Kinderkino. Leider sind meine Kinder nicht sehr hart im Nehmen, was die Pädagogik von Disney Filmen anbelangt, weshalb ich sie nach einer Stunde aus dem Kinderkino evakuieren musste, weil der Horror sie übermannt hatte. Mein Nachtessen war damit beendet und wir gingen aufs Zimmer. Vor 23 Uhr schlief jedoch niemand, weil die Eindrücke einfach zu stark waren. Am nächsten Morgen waren wir alle drei unausgeschlafen und schlecht gelaunt. So schlecht gelaunt, dass ich das Morgenessen mit der künstlichen Kuh, aus deren Euter man Milch rauslassen konnte, besser nicht mehr beschreibe.

Fazit: Das Märchenhotel in Braunwald ist für die Kleinen das Grösste. Eine echte Alternative stellt allerdings ein Besuch im Alpamare dar. Schont Budget und Nerven und passt ganz ins Konzept „Spass für die ganze Familie“.

 

Sommerloch am See

Tagebuch, 7. August 2014

Ich probiere das jetzt auch mal aus. Das Schreiben im Grünen. Vor mir der Greifensee, hinter mir Kühe, die bimmeln beim Grasen. Unter mir eine Bank, über mir ein Baum, in mir die Leere. Das wars auch schon. Saure Gurken Zeit. Auf der Welt entflammt da und dort Krieg, Menschen sterben, Menschen werden geboren, die einen sind glücklich, die anderen nicht. Eine kleine Ente paddelt vorbei, ein Mann trägt ein Paddelboot herbei – so ein riesiges Hightech Teil – und reisst mir beinahe den Computer von den Knien. Aber nur beinahe. Keine Entschuldigung, keine Miene. Arschlochfresse mit Brille. Und wieder Leere. Eine alte Frau mit einer noch älteren Frau am Rollator von links. Eine alte Frau mit einer noch älteren Frau am Rollator von rechts. Zwei junge Radlerinnen von links, von rechts und ab durch die Mitte. Arschlochfresse paddelt weg, die kleine Ente kämpft sich an Land. Sie schreit nach Mutti, doch niemand antwortet. Hechtfutter. Ob ich sie retten soll? Aus dem Wasser fischen, in meine Handtasche stopfen, ihr einen Namen geben? Vielleich Rex. Dann wäre sie meine Bodyguardente und würde mich überall hin begleiten. Über das Leben oder Sterben dieser Ente entscheide nicht ich, sondern ein Furz in Begleitung eines anderen. Entwichen ist er einem Kleinkindfudi Namens Robin. Möglicherweise war Kleinkindfudi Mia ebenfalls beteiligt. Die beiden kugeln sich vor Lachen und versuchen sich nochmals im Furzen, ihre kleinen Gesichtchen laufen ganz rot an, so fest drücken sie. Dann läuft der Spass aus dem Ruder und in die Hose. Ich bin dann mal weg und überlasse die Kampfente Rex ihrem Schicksal.

Eine neue Bank, dieselbe Leere. Spatzen tummeln sich auf dem Platz vor dem Grill und picken an Zigarettenstummel rum. Ansonsten ist der Platz sauber. Kein stehengelassenes Zelt, kein Schlamm, keine Bierdosen, keine gebrauchten Kondome. Einfach nur ein sauberer, kleiner Platz an einem sauberen, kleinen See in der sauberen, kleinen Schweiz. Ich würde gerne sagen, ich habe an so einem Platz meine Unschuld verloren, an einem schwülfeuchten Sommerabend, verstochen von Mücken und betrunken von süssem Wein und der Musik von Cat Stevens. Ist aber nicht so, deshalb ergibt sich auch daraus keine Geschichte. Ein älterer Mann mit Fahrrad und lächerlichen Radlerhosen setzt sich auf meine Bank und kramt eine Zeitung aus der Tasche seines angelehnten Fahrrads. Ich schaue ihn strafend an. Arschlochfresse mit Brille schleift im Hintergrund sein Paddelboot aus dem See und erschlägt dabei beinahe Robin und Mia. Aber nur beinahe.

Ein junges Paar von links, gefolgt von einer Gruppe Wandervögeln, zwei Frauen der Gruppe schieben Rollatoren vor sich her. Ich denke, ein Kinderwagen, so ein Jogger mit grossen Rädern, würde den Zweck genauso gut, wenn nicht besser erfüllen und erst noch das Image aufpolieren. Lieber rüstige Grossmutter als gehbehinderte Alte. Sicherlich wäre er sogar noch günstiger, als so ein medizinisch geprüftes Teil aus der Gerontologie. Aber wahrscheinlich ist das zynisch. Kinderwagen gehören den jungen Müttern und ihren Babys und Rollatoren den alten Menschen. Genauso wie der See. Er gehört den Enten, den Paddlern und den furzenden Kleinkindern. Aber sicher nicht einer mit Leere angefüllten Frau mittleren Alters und ihrem allmählich auf Niedergartemperatur aufgeheizten Laptop auf den Knien.

Ich schnüffle ein bisschen, rümpfe die Nase und werfe dem Zeitungsleser einen letzten, strafenden Blick zu, dann mache ich mich davon.

Fährt der Tod im Märlitram?

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Bildquelle: Christopher Swerin, http://www.swerin.com

Jeden Tag sterben tausende von Menschen an ebenso vielen verschiedenen Todesursachen. So ist das Leben – es endet mit dem Tod. Doch geht es um unseren eigenen Tod oder den eines geliebten Menschen, sind wir weniger pragmatisch. Kann man sich auf den Tod vorbereiten? Und wie soll das gehen?

Ich dachte immer, ich hätte mich genügend auf den Tod vorbereitet, indem ich mir die blödeste Todesursache ausdachte, an der ich sterben könnte: vom Märlitram überfahren werden. Ein guter Freund hat mir letzthin eine neue, blödeste Todesursache geschenkt: von einem Regal, vollgestopft mit Kartons, die wiederum vollgestopft mit Familienfotos sind, zermalmt und verschüttet werden.

Nun haben mir aber liebe Menschen nahegelegt, mich endlich einmal ernsthaft mit dem Thema zu befassen. Obwohl ich gesund bin und in der Mitte meines Lebens stehe, macht das durchaus Sinn. Schliesslich verhält es sich mit dem Tod wie mit dem indischen Zugverkehr: es kommt immer ein Zug, aber man weiss nie genau wann. Deshalb ist es wichtig, dass wir wenigstens gut vorbereitet sind, wenn die Reise losgeht. In dieser Hinsicht sind wir Schweizer ziemlich rückständig. Wir pendeln ein bisschen zwischen Himmel und Hölle und wünschen uns dann doch die Wiedergeburt, in der Hoffnung, dass wir wieder unseren alten Job kriegen. Ein Jihadist zum Beispiel hat schon lange sein Bett im Paradies gemacht. Er ist sogar Herr seines eigenen Todes. Und sobald er diesen eigenhändig herbeigeführt hat, füllt sich sein paradiesisches Bett mit hunderten von Jungfrauen. Das nenne ich eine gründliche Todesvorbereitung! Aus diesem Grund habe ich einen Todesvorbereitungskurs besucht. In unseren Hemnisphären ist das eine völlig gewalt- und hirnwäschefreie Angelegenheit. Der Kurs ähnelt ein bisschen dem katholischen Ehevorbereitungskurs, den ich allerdings nur vom Hörensagen kenne. Es wird viel geredet und geweint, und manchmal kommt ein Tambourin zum Einsatz.

Hier meine Eindrücke zum Todesvorbereitungskurs:

Zur Einleitung wurde über Religion und Gott gesprochen, da aber zu viele verschiedene Gottheiten vertreten waren, ging man schnell zu allgemeingültigen Lebensweisheiten über. Um die Weisheiten zu vertiefen und zu verinnerlichen, wurden Gruppen gebildet. Da gab es zum Beispiel die Gruppe mit der Lebensweisheit: „Lebe jeden Tag so, als wäre es der Letzte“. Meiner Meinung nach ein selten doofer Spruch. Wie soll man sich das vorstellen? Jeden Tag in dem Bewusstsein aufwachen, dass dies der letzte Tag ist, den ganzen Tag heulen, verzweifelten Sex haben, der „das letzte Mal“ genauso wenig Spass macht, wie „das erste Mal“, sich von den Liebsten für immer verabschieden, geschmacklose Luxusgüter kaufen und sie in den See werfen, der Völlerei frönen, ein paar Flaschen Château Petrûs trinken um dann besoffen und starr vor Angst der Mitternacht entgegensehen. Und das jeden Tag immer und immer wieder? Mein Budget wäre schon nach einem Tag aufgebraucht, ganz zu schweigen von den Nerven meiner Liebsten. Da lebe ich doch lieber jeden Tag so, als gäbe es noch einen nächsten. Deshalb liess ich mich in die „Das Glas ist halb voll/halb leer“– Gruppe einteilen. Diese Weisheit war mir auf Anhieb sympathisch: egal, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, es hat auf jeden Fall noch Platz darin für mehr Wein!

Dann kam die Bucket List dran. Die Liste, die all das beinhaltet, was man vor dem Tod unbedingt noch gemacht haben will. Für mich war das eine prima Gelegenheit, den Château Petrûs unterzubringen. Und ein Fläschchen Château Margaux. Und noch ein Kistchen von dem Meursault, den wir an der Hochzeit getrunken hatten, Bier haben wir auch keines mehr, Milch sollten wir noch haben, vielleicht noch ein paar Tomaten, frisches Brot…

Der letzte Teil beinhaltete viel Trauerarbeit, die zum Ziel hatte, sich schon jetzt emotional vom Leben zu verabschieden, damit man besser loslassen konnte, wenn es dann tatsächlich soweit wäre. Es wurde viel geweint und gehadert. Um diesen Prozess abzuschliessen, musste man ihn auch noch physisch durchleben. Als erstes sollten wir all unsere irdischen, materiellen Güter ablegen und Wertsachen verschenken – idealerweise der Kursleitung. Dann sollten wir in Unterwäsche und rückwärts durch eine Röhre robben, was die Umkehr des Weges durch den Geburtskanal symbolisieren sollte. Da die Röhre jedoch hellblau und von Ikea war, und am Ende der Röhre weder eine Gebärmutter noch ein warmes Licht auf uns wartete, ging die Sache für mich nicht auf. Ausserdem trug ich ausgeleierte Unterwäsche mit dem Werbeslogan „fit for fun“ drauf. Deshalb verliess ich den Kurs vorzeitig und pfiff auf das Todesvorbereitungskurs-Zertifikat. Zu Hause genehmigte ich mir ein Bier und schaute mit meinen Kindern auf dem Sofa KiKa. Wahrscheinlich die effektivere Art der Todesvorbereitung.

An die lieben Menschen, die mir nahegelegt haben, mich mit dem Tod zu befassen: Der Tod kommt sowieso, ob wir darauf vorbereitet sind oder nicht. Bis es soweit ist:

Always Look on the Bright Side of Life

http://www.youtube.com/watch?v=WlBiLNN1NhQ

Aus „Life Of Brian“ von Monty Python

 

Der Lauf der Hirnlappen in einer fehlgeleiteten Zeit.

In einer Befragung des „Beobachters“ zur geplanten Reform des Familienrechts bezeichnete der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi alleine Lebende mit wechselnden Partnern und Homosexuelle als Fehlgeleitete, letztere durch einen verkehrt laufenden Hirnlappen.

Dass Hirnlappen laufen können, weiss wohl jedes Kind. Dass sie dabei auch fehlgeleitet werden können, das heisst „verkehrt laufen“, ist die logische Schlussfolgerung. Im Detail heisst das: Der richtig laufende Hirnlappen dreht sich nach rechts, und der verkehrt laufende Hirnlappen dreht sich nach links. Dass links verkehrt und rechts richtig ist, hat weder Herr Bortoluzzi noch die SVP erfunden. Das ist ein Naturgesetz, das überall zu finden ist. Zum Beispiel im Joghurt. Die guten Bifidus-Bakterien drehen sich nach rechts und verhelfen uns dabei zu einer guten Verdauung. Die schlechten Milchsäure-Bakterien drehen nach links und verursachen ein Völlegefühl. Dass die fehlgeleiteten Joghurts überhaupt noch verkauft werden, ist allerdings rätselhaft. Wahrscheinlich werden sie von linken Schwulen gekauft, die in einem Völlegefühl alles andere als ein Problem sehen. Und da die Fehlgeleiteten für ihre Masslosigkeit bekannt sind, werden die schwulen Joghurts gleich im 6-Pack angeboten und erst noch in allen Sorten! Zum guten Glück kann unsereins immer noch auf die nature Bifidus-Joghurts in der 4-er-Familienpackung zurückgreifen.

Ich war einige Zeit ebenfalls fehlgeleitet. Das lag zum grössten Teil an dem liberalen Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin. Die Liberalen sind noch schlimmer als die Linken. Sie sind zwar keine schwulen Joghurts, aber mit Sicherheit die Weicheier im Café complet. Kann sich jemand vorstellen, was mit einem kleinen Mädchen passiert, das seinen Vater beim Abräumen des Tisches und Saubermachen der Küche zusehen muss? Das erleben muss, dass die Mutter eigenes Geld verdient, das sie auch noch selber ausgibt? Und als wäre das alles noch nicht genug – das wehrlos daneben stehen muss, wenn die eigenen Eltern zwei schwule Männer ins Haus lassen, sie am Familientisch bewirten und das immer und immer wieder? In meinem Kopf drehte sich zu der Zeit einiges, aber bestimmt nicht im rechten Dreh.

Viel später habe ich erfahren, dass es in unserer Familie eine Frau gibt, die in Amerika in einer lesbischen Beziehung lebt. Das Verkehrte muss also in unseren Genen stecken. Doch ich bin stark. Ich habe dagegen angekämpft und bin weder lesbisch geworden, noch lebte ich lange alleine. Heute bin ich verheiratet – mit einem richtigen Mann – und habe zwei Kinder, die ich nach allen Kräften zu rechtsdrehenden Hirnlappen erziehe. Mein Mann ist das Gegenstück zu mir. Ohne ihn wäre ich nur eine nutzlose Rippe in der grossen Schöpfung. Er baut gerade ein Haus für unsere Familie. Und ich habe begonnen zu stricken. Ich bin voll und ganz erfüllt.

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Bildquelle: wolltraum.de

 

Die 10 wichtigsten Regeln für den erfolgreichen Seitensprung.

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Denn am Anfang ist alles schön und leicht…

Männer gehen fremd. Aus verschiedenen Gründen. (Frauen auch, aber ich möchte mich hier aussschliesslich den Männern widmen). Meistens geht es dabei um ein „anderes“ Gefühl. Eines, das man in der aktuellen Beziehung nicht abrufen kann ohne selber über die Bücher gehen zu müssen. Oder man hat es im Laufe der Jahre verloren und weiss nicht mehr wo. Vielleicht kann man gar nicht genau sagen, was es ist, das einem fehlt. Ist es das Gefühl, wahrgenommen und begehrt zu werden, das Gefühl, geschätzt und gebraucht zu werden oder einfach das Gefühl, wiedermal verliebt zu sein? Egal. Die Leere muss gefüllt werden. Sei es durch junge Haut und pralle Möpse oder einfach durch einen anderen Menschen, der sich wunderbarerweise für einem interessiert, der zuhört und beim Orgasmus schreit. In den seltensten Fällen geht es nur um Sex. Und irgendwann geht es sogar plötzlich um Liebe, obwohl man das so gar nicht geplant hatte. Das ist dann genau der richtige Augenblick, um das Weite zu suchen. Denn um was es bei einem Seitensprung nie gehen darf, AUF GAR KEINEN FALL, ist, das alte Leben hinzuschmeissen, um ein neues Leben mit der „anderen“ Frau zu beginnen, die sich nach ein paar Monaten Zusammenleben als nicht genügend „anders“ entpuppt, um die wiederkehrende Leere zu füllen. Zu der inneren Leere gesellt sich dann auch noch die materielle Leere, weil man für den gefühlten Rest des Lebens Alimente zahlen muss für die Kinder, die man nicht mehr aufwachsen sieht und die Ex-Frau, die es sich zusammen mit den Kindern im eigenen Haus gemütlich gemacht hat, während man selber in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung schmort, da es nach Abzug der Anwaltskosten und Alimente für mehr nicht mehr reicht. Nein, so weit darf es bei einem Seitensprung auf keinen Fall kommen, da sind wir uns einig. Und trotzdem führt er oft genau dorthin. Das kann jedoch vermieden werden, indem man die folgenden 10 Regeln befolgt:

  1. Akquisation: Im nächsten Umfeld der eigenen Frau suchen. Die Schwester, die beste Freundin, die Mutter. Je näher desto besser. Darauf kommt sie nie. Zweite Wahl ist jemand, der in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem steht: Die Nanny, die Assistentin, eine Schülerin. Abhängigkeit schafft Verschwiegenheit.
  2. Budget: Nach jedem Treffen mit der „anderen“ Frau eine Aufmerksamkeit für die Ehefrau mit nach Hause bringen. Blumen, Parfum, Schmuck. Nicht knausern! Das liefert die Erklärung für die enormen Ausgaben der letzten Zeit.
  3. Location: Für Treffen mit der Geliebten im selben Hotel oder Restaurant buchen, in dem man auch mit der Ehefrau öfter gesehen wird. Das erleichtert die private Spesenabrechnung und man kann sich zur Not mit Verwechslung rausreden.
  4. Sicherheit: Auf keinen Fall Kondome verwenden beim Fremdgehen. Findet die Ehefrau die Dinger – was sehr schnell passieren kann – ist man geliefert.
  5. Gesundheit: Keinen Geschlechtsverkehr mit der eigenen Frau während die Affäre läuft, besser noch eine 2 monatige Karenzfrist nach dem Schlussmachen einhalten. Fängt man sich was ein und steckt sie an, kommt alles aus. Zu Hause Impotenz vortäuschen, damit kommt man lange durch und es erklärt auch „andere“ Unstimmigkeiten.
  6. Infrastruktur: Mobile und Computer weiterhin herumliegen lassen. Es würde auffallen, wenn man plötzlich alles wegräumte. Ausserdem kennt sich die Ehefrau sowieso nicht aus in der Bedienung von technischen Geräten.
  7. Transparenz: So viele Freunde wie möglich über die Affäre informieren. Transparenz schafft Vertrauen und Goodwill.
  8. Kommunikation: Ist die Affäre unbemerkt zu Ende gegangen und plagt einem das schlechte Gewissen: sofort alles beichten! Dabei kein Detail auslassen. Ist die Ehefrau nicht begeistert über Ehrlichkeit und Offenheit, die Schuld der Ehefrau geben, indem man sie fett, kalt und frustriert nennt.
  9. Politik: Kommt die Sache raus, rigoros alles abstreiten. Bestehen Beweise, die Schuld der Ehefrau geben, indem man sie fett, kalt und frustriert nennt.
  10. Konkurs: Lenkt sie nicht ein und will die Scheidung, weinen, winseln und flehen. Zwischendurch unbedingt die Konten sperren lassen und den Job künden.

Sollte hier ein geschätzter Leser mit dem Vorhaben „Fremdgehen“ liebäugeln, täte er gut daran sich vorher zu überlegen, ob er zur Einhaltung dieser 10 Regeln fähig ist. Falls nicht, sollte er es besser bleiben lassen. Denn am Anfang ist alles schön und leicht, doch am Ende einer jeden Geschichte steht immer der Schluss. Und nichts wird jemals wieder so sein, wie es vorher war.

PS: Therapeuten sind übrigens günstiger als Anwälte.

Erwachsen ist, wenn man ein Deo benutzt.

Kinder haben sich in den letzten 40 Jahren nicht wesentlich verändert. Ihre Ansichten über das Erwachsensein offenbar schon. Dazu ein kleine, nicht repräsentative Umfrage aus dem Jahre 1974 und 2014.

1974:

Erwachsen ist….

  • wenn an komischen Stellen schwarze Haare wachsen
  • wenn man gross genug ist, um ans Wandtelefon ranzukommen
  • wenn man Stöckelschuhe tragen darf
  • wenn man einen BH tragen kann, ohne ihn mit Watte auszustopfen
  • wenn man Post kriegt
  • wenn man ein Portemonnaie hat, in dem man eigenes, richtiges Geld hat
  • wenn man sich schminkt
  • wenn man sich (im Gesicht) rasiert
  • wenn man an einem Bürotisch sitzt und irgendwelche wichtigen Sachen schreibt
  • wenn man eine eigene Stereoanlage mit Plattenspieler hat
  • wenn man auf der Strasse Auto fahren darf
  • wenn man spät ins Bett geht
  • wenn man verbotene Sachen trinkt und raucht

2014

Erwachsen ist…

  • wenn man freiwillig die schwarzen Körper-Haare ausreisst und dazu schreit
  • wenn man mit dem iPhone so lange telefonieren darf, wie man will
  • wenn man enge, kurze Kleider trägt und niemand schickt einem heim
  • wenn man sich grosse Brüste wünscht und sie auch kriegt
  • wenn man im Internet alles darf
  • wenn man eine EC-Karte hat
  • wenn man sich tätowiert
  • wenn man sich einen Bart wachsen lässt
  • wenn man am Computer sitzt und irgendwelche wichtigen Sachen schreibt, ohne dabei zu chatten
  • wenn man Papis alte Stereoanlage mit Plattenspieler für teures Geld flicken lässt
  • wenn man lieber ein cooles Velo als ein Auto fährt
  • wenn man freiwillig früh ins Bett geht
  • wenn man eklige Sachen isst, weil sie gesund sind