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Mein erster Vorsatz im neuen Jahr: Wie Schneewittchen sein!

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Schneewittchen hat verdammt gut aussehende Stiefmütter.

Gedanken zum Jahreswechsel, Teil 1

3. Januar 2015

Zur Weihnachtszeit werden alle je verfilmten Märchen am Fernsehen gezeigt und zwar ohne Anspruch auf Qualität der Verfilmung oder pädagogischer Wert. Ich habe mir heuer praktisch alle diese Filme reingezogen, ausser „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, den haben wir schon den ganzen Sommer auf DVD angeschaut, weshalb er für mich etwas an vorweihnachtlichem Zauber eingebüsst hat. Auf Libuše Šafránkovás (Aschenbrödel) Gesicht musste ich jedoch nicht verzichten, sie taucht immer mal wieder als Prinzessin in den Filmen der DEFA Studios auf. Das kann zu Verwirrungen führen. Vor allem im Film „die kleine Meerjungrau“, wo plötzlich das Aschenbrödel auftaucht und der kleinen Meerjungfrau den Prinzen vor der Flosse wegschnappt. So richtig leid will einem die feenhaft zarte Meerjungfrau mit den riesigen Opferaugen nicht tun, auch wenn sie von Libušes jüngeren und bedeutend schöneren Schwester verkörpert wird, neben der das Aschenbrödel wie ein Bauerntrampel dasteht. Aber das Aschenbrödel ist eben eine tadellose Identifikationsfigur, was man von der kleinen Meerjungfrau nicht behaupten kann. Libuše Šafránková ist heute um die 60 und sieht immer noch genau gleich aus wie damals mit 19. Unterdessen hat sie auch durchaus ernstere Rollen gespielt und das mit Erfolg, doch alle werden in ihr immer nur das Aschenbrödel sehen.

In den Märchenpausen habe ich über das Bloggen nachgedacht. Vor gut einem Jahr habe ich meinen ersten Blog geschrieben und damit die Rolle des zynischen Miststücks gefasst. Ein Jahr und etliche Texte später frage ich mich, ob ich noch weitermachen soll. Bloggen hat doch sehr viel mit Selbstbefriedigung zu tun und zwar in der Öffentlichkeit. Es gibt viele, die bei dem Egogewixe gerne zuschauen und fleissig liken. Eine Zeit lang. Aber irgendwann wird jeder Blog mal langweilig. Jeder. Der Hund, der Party macht und zu viel konsumiert. Die Frau, die den Namen einer Tasche trägt und Rat-Schläge erteilt. Das Pony, das zu jedem Thema etwas total Sympathisches zu wiehern weiss und der Mann, der als einziger weiss, wovon er schreibt, weil er als einziger immer direkt betroffen ist. Diese Blogs erschienen mir am Anfang alle lustig, geistreich, bereichernd. Und am Ende sind es im besten Fall doch nur die unterhaltsamen Ergüsse eines einzelnen Egos aus der Sicht seiner eigenen, beschränkten Welt. Spätestens wenn das Recycling einsetzt, ist der Blog für mich gestorben.

Ich könnte jetzt sagen: bloggen ist nur ein Ventil für mich, um Druck abzubauen. Psychohygiene. Die Kommentatoren, die Trolle, die Likes und Klicks – sind mir alle Wurst. Spätestens nachdem ich mich zum fünften Mal in 20 Minuten dabei ertappe, wie ich nur mal schnell einen Blick auf die Statistik meines Blogs werfe und mir dabei innerlich die Schüsse abgehen, wenn die Zahlen nach oben schnellen, weiss ich, dass dem nicht so ist. Ich blogge nur für mein Ego. Meine eigene kleine narzisstische Persönlichkeitsstörung will genährt werden und das geht mit einem Blog besonders gut.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die meisten Klicks im ganzen Land.“ Obwohl die böse, eitle Königin immer eine grössere Anziehungskraft auf mich ausgeübt hat als das grenzdebile Schneewittchen, sollte ich mich wohl doch eher von der dunklen Seite der Macht abwenden und ein bisschen mehr wie Schneewittchen oder Aschenbrödel werden: mich nicht von rotbackigen Äpfeln verführen lassen, fleissig und demütig sein, jeden Spiegel meiden und mich um meine Zwerge kümmern. Ein prima Vorsatz fürs Jahr 2015.