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Die Magie der grossen Ferien

mamablog_ferienBild: Mate Marschalko, flickr.com

Die grossen Ferien stehen vor der Tür und mit ihnen ein riesiger Berg von Wünschen, verknüpft mit ebenso vielen Erwartungen. Spass wollen wir haben. Abenteuer erleben. Erholen wollen wir uns. Die Sonne soll scheinen. Im Wasser wollen wir uns abkühlen. Am liebsten im Meer. In einem fernen Land. Oder in einem nahen Land. Einfach an einem Ort, der anders ist als zu Hause. Anders als Schule und anders als Beruf, anders als Äpfel zum Znüni und Ghackets mit Hörnli. Anders als Alltag – so müssen Ferien sein. Das erklären wir auch unseren Kindern, zwei Mädchen, 6 und 8 Jahre alt, die schon wieder die Augen verdrehen. Wir versprechen ihnen, dass sie ihre Puppe mitnehmen dürfen und das Schlaftier und das Lieblingsgeschichtenbuch und die Kuscheldecke. Damit das mit dem Anderssein auch für die Kinder erträglich wird.

So fahren wir dann los, das Auto vollgepackt bis zum Rand. Die Fahrräder mussten auch noch mit – wofür haben wir sie denn. Auch die Nespresso-Maschine ist wie immer dabei, dazu 64 Volluto- und 28 Ristrettokapseln, schön abgezählt für jeden Tag. Und natürlich auch für jeden Tag die richtige Kleidung. All die letztjährigen Sommerkleider, die wir viel zu wenig tragen konnten, und all die brandneuen Sommerkleider, die wir extra für die Ferien gekauft haben. Im Ausverkauf, 3 für 2. Etwas für schöne Anlässe und etwas, wenn es praktisch sein muss. Und etwas für Regenwetter. Denn es gebe kein schlechtes Wetter, es gebe nur falsche Kleidung, sagt der Leiter des Waldkindergartens und nervt mich damit immer wieder. Für die Kinder packen wir von allem alles doppelt ein – so gehen wir auf Nummer sicher. Der Spass ist bestens vorbereitet, es kann nichts mehr danebengehen.

Ferien jetzt! Doch zunächst ist Stau auf der Autobahn. Bild: Robin Utrecht/ Keystone

Ferien jetzt! Doch zunächst ist Stau auf der Autobahn. Bild: Robin Utrecht/ Keystone

Auf der Reise werden die Kinder nonstop mit Walt Disney berieselt, damit die Idee von Langeweile und Quengelei gar nicht erst aufkommt. Und zeigt ein Kind trotz Elsa und Arielle doch Unmut, wird ihm mit Aussetzen auf der Autobahn gedroht. Das hilft immer. Oder auch gar nicht. Egal. Ferien jetzt!

Haben wir dann endlich das Ziel unserer Wünsche erreicht, richten wir es uns schön gemütlich ein für die nächsten 14 Tage. Der Kaffee schmeckt wie zu Hause, die Pasta sogar noch besser. Die Kinder essen jeden Mittag Pommes frites, während wir uns schon mal den ersten Wein genehmigen. Sind ja Ferien! Danach planschen wir im Pool. Alles schön sauber und hygienisch. Nebenan gibts einen Spielplatz, viele Kinder, professionelle Betreuung. Klappt wie am Schnürchen, fast wie zu Hause. Alles organisiert, alles entspannt. Hat auch genug gekostet.

Abends kommt manchmal ein bisschen Heimweh auf. Die Spielsachen, die zu Hause bleiben mussten, die einsame Katze, die Blumen im Garten, die Freunde. Walt Disney hilft. Und für uns ein Schlückchen Wein. Sind ja Ferien! Bald sind wir wieder zu Hause, und dann ist das hier alles nur noch Erinnerung. Schöne Erinnerung. Meist schöner als der Urlaub selbst.

Wieso tun wir das? Wieso fahren wir Jahr für Jahr im Sommer in den Urlaub? Für die Kinder? Unsere Kinder wollen nicht reisen. Sie haben kein Interesse an fremdem Essen, unbekannten Sprachen und andersartigen Bräuchen. Das Vertraute gibt ihnen Sicherheit. Ich glaube, unsere Kinder würden am liebsten zu Hause bleiben, sich fünf Wochen lang mit ihren Freunden verabreden und jeden Tag Pommes Chips und Glace essen. So sehen für sie perfekte Sommerferien aus. Unsere erwachsene Version von perfekten Sommerferien sieht dagegen so aus: weit reisen, viel Kultur, viel fremdes Essen und Trinken, viel Entspannung, wenig bis keine Kinder.

Es gibt zwei Gründe, weshalb wir trotzdem jedes Jahr zusammen in die Ferien fahren, die so eigentlich keiner will:

1. Wir tun es für die gemeinsam verbrachte Zeit. 14 Tage sind wir vier zusammen. An einem Stück. An einem Ort. Im Guten wie im Schlechten. Familie total. Denn nur fernab von zu Hause und ohne Fluchtmöglichkeiten können wir derart intensive Familienzeit zusammen verbringen. Auch wenn wir danach mit den Nerven am Ende sind, lohnt es sich.

2. Wir tun es für die Erinnerungen. Denn diese werden grossartig sein, nachdem das Gehirn alles Unangenehme herausgefiltert hat. Was bleibt, ist die Essenz der Sommerferien: Spass, Abenteuer, Erholung und Familie. Ein Leben lang. Und je älter wir werden, umso kostbarer werden diese Erinnerungen für uns sein. Wir holen sie hervor und freuen uns daran, wenn diese Zeit schon lange vorbei ist. Sie stecken in unseren Genen und werden von Generation zu Generation weitergegeben und mit neuen Ferienerinnerungen angereichert.

Darin liegt die Magie der grossen Ferien.

Erschienen am 10. Juli 2015 auf Mamablog. (Die Kommentare sind übrigens auch lesenswert, wenn auch fernab vom Thema.)

Man sollte euch die Kommentarspalten wegnehmen!

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„Das hätte sie sich besser vorher überlegt!“

Die #regrettingmotherhood-Bewegung wurde in sämtlichen Medien breit diskutiert und die Beiträge heftigst kommentiert. Eigentlich habe ich mir den Vorsatz genommen, keine Kommentare mehr zu lesen, es sei denn, sie betreffen meine eigenen Artikel. Da das Thema #regrettingmotherhood aber mich selber betrifft, habe ich meinen Vorsatz gebrochen und die Kommentare zu den verschiedenen Beiträgen gelesen. Ein Fehler.

Das Kommentieren wird einem sehr einfach gemacht: ein Name und eine email-Adresse eingeben, und schon ist man dabei. Die Daten werden nicht überprüft. So kann jeder unter einem Pseudonym und mit falscher email-Adresse kommentieren – was die meisten auch tun. Und anonym lässt es sich besonders gut Dampf ablassen. Bei einem stark polarisierenden Thema wie #regrettingmotherhood, wo sich Frauen getrauen zu sagen, dass sie es bereuen, Mutter geworden zu sein, gehen die Emotionen ungebremst hoch. Ein riesiger Haufen Wut, Scham, Angst und Verunsicherung prallt mit aller Wucht auf jene, die sich in Empathie üben. Da wird beleidigt, verflucht und beschimpft. Hier ein paar der harmloseren Kommentare, die im Zusammenhang mit Artikeln über unzufriedene Müttern besonders oft fallen und an Dummheit kaum zu überbieten sind:

„Diesen Müttern sollte man die Kinder wegnehmen“.

Im Prinzip gut durchdacht! So wäre den Müttern und den Kindern geholfen! Auch die Väter hätten sicher nichts dagegen, wenn die Kinder wegkommen, wieso auch? Die Logistik macht hier allerdings Probleme: abholen, zwischenlagern, weitergeben. Leider ist die KESB im Moment gerade mit anderen Problemen ausgelastet. Und der Staat ist immer noch mit Reparationszahlungen an die ehemaligen Verdingkinder beschäftigt, weshalb er es mit der Schaffung eines neuen Falles im Moment grad nicht so eilig haben wird.

„Es gibt genügend Frauen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als Kinder zu haben und keine bekommen können.“

Was für eine raffinierte Verknüpfung zweier verschiedener Bereiche zum Thema Muttersein! Und die Lösung liegt auf der Hand: Die eine will und kann nicht, die andere hat und will nicht – also rüber mit den Kindern! Sieht nach einer win-win Situation aus, doch auch hier könnte es an der Umsetzung hapern. Pragmatische Lösungen sind gefragt. Zum Beispiel die Schaffung einer online-Vermittlung: ebaby. Darauf könnte ein Vermittlungsantrag so aussehen: „Wegen regretting motherhood abzugeben an unfruchtbare Frau: 2 Kinder, vintage Jahrgänge, top Zustand, geliebt, geimpft und entwurmt.“

„Wieso haben diese Frauen überhaupt Kinder gemacht?“

Das ist jetzt einfach. Weil Angela und Babs und Corinne auch Kinder haben und total glücklich sind damit, auch wenn sie jetzt wieder rauchen. Weil alles eine Frage der Organisation ist. Und des Geldes. Weil es zwar anstrengend ist, aber das Grösste in einem Frauenleben. Vergleichbar mit der RS bei den Männern, nur 18 Jahre länger. Weil sich jede normale Frau Kinder wünscht. Dafür ist nämlich die Gebärmutter da. Weil das Leben immer hält, was es verspricht. Und sonst kommt es dann schon gut, irgendwann. Weil Lebenspläne immer aufgehen, wenn man sie nur schön genug zeichnet. Und nicht zuletzt: weil Sex geil ist und abtreiben scheisse.

„In diesem Fall wäre lügen besser. Wie wird es diesen Kindern wohl gehen, wenn sie einmal davon erfahren…!“

Offenbar ist Kinder anlügen eine höhere Tugend, als offen zu seinen Gefühlen zu stehen. Und da Kinder dumm und gefühllos sind, werden sie auch nicht merken, dass ihnen ihre Mutter jahrelang etwas vorspielt. Hauptsache sie müssen sich nie mit der unangenehmen Wahrheit auseinandersetzen, dass ihre Mutter sie zwar geliebt hat, aber Mühe mit dem Muttersein hatte. So wird das Bild der hingebungsvollen Mutter nicht beschädigt und die Kinder können dieses edle Gut zusammen mit dem diffusen Gefühl, dass irgendetwas in ihrer Familie nicht gestimmt hat, ihren eigenen Kinder weitergeben.

„ … Wir (Männer) müssen jeden Tag von früh bis spät ins Büro arbeiten, um die Familie zu ernähren. Das ist auch nicht immer lustig! … Und dafür erhalten wir keine Liebe!“

Nun ja, mit Geld abgespiesen zu werden, kann einem schon gehörig zusetzen. Aber in diesem Fall muss ich sagen: Solchen regretting Businessmen sollte man den Job wegnehmen. Oder besser noch, man sollte solchen Männern den Lohn wegnehmen. Und sie dann für die nächsten 18 Jahre für einen unbezahlten Job ohne Aufstiegsmöglichkeiten verpflichtet – DAS ist nicht lustig!

Erwachsen ist, wenn man ein Deo benutzt.

Kinder haben sich in den letzten 40 Jahren nicht wesentlich verändert. Ihre Ansichten über das Erwachsensein offenbar schon. Dazu ein kleine, nicht repräsentative Umfrage aus dem Jahre 1974 und 2014.

1974:

Erwachsen ist….

  • wenn an komischen Stellen schwarze Haare wachsen
  • wenn man gross genug ist, um ans Wandtelefon ranzukommen
  • wenn man Stöckelschuhe tragen darf
  • wenn man einen BH tragen kann, ohne ihn mit Watte auszustopfen
  • wenn man Post kriegt
  • wenn man ein Portemonnaie hat, in dem man eigenes, richtiges Geld hat
  • wenn man sich schminkt
  • wenn man sich (im Gesicht) rasiert
  • wenn man an einem Bürotisch sitzt und irgendwelche wichtigen Sachen schreibt
  • wenn man eine eigene Stereoanlage mit Plattenspieler hat
  • wenn man auf der Strasse Auto fahren darf
  • wenn man spät ins Bett geht
  • wenn man verbotene Sachen trinkt und raucht

2014

Erwachsen ist…

  • wenn man freiwillig die schwarzen Körper-Haare ausreisst und dazu schreit
  • wenn man mit dem iPhone so lange telefonieren darf, wie man will
  • wenn man enge, kurze Kleider trägt und niemand schickt einem heim
  • wenn man sich grosse Brüste wünscht und sie auch kriegt
  • wenn man im Internet alles darf
  • wenn man eine EC-Karte hat
  • wenn man sich tätowiert
  • wenn man sich einen Bart wachsen lässt
  • wenn man am Computer sitzt und irgendwelche wichtigen Sachen schreibt, ohne dabei zu chatten
  • wenn man Papis alte Stereoanlage mit Plattenspieler für teures Geld flicken lässt
  • wenn man lieber ein cooles Velo als ein Auto fährt
  • wenn man freiwillig früh ins Bett geht
  • wenn man eklige Sachen isst, weil sie gesund sind